Treffen mit Gerhard Schäfer

Gerhard Schäfer © Eucor - Bureau de Coordination
Gerhard Schäfer © Eucor - Bureau de Coordination

Gerhard Schäfer, Professor an der Universität Straßburg (UdS, Hydrologisches und geochemisches Labor) und Verantwortlicher für die grenzüberschreitende Forschung im Rahmen des REALISE-Netzwerks ist einer der Begründer des Eucor-Netzwerks in den Umweltwissenschaften.

Mit welchem Ziel wurde das Netzwerk in den Umweltwissenschaften 2001 gegründet? Und seine Sommeruniversität?

Am Anfang ging es darum, die wissenschaftliche Zusammenarbeit in den Umweltwissenschaften am Oberrhein zu stärken. Langfristiges Ziel sollte dabei die Einrichtung eines bi- oder trinationalen Studiengangs sein. Die "Sommeruniversität" schien uns als ein erstes Projekt der Zusammenarbeit gut geeignet; es ermöglichte, unter anderem kulturelle Unterschiede und die verschiedenen Zugangsweisen in den drei Ländern zu analysieren. Die Verwaltung von Ressourcen, Konflikten, der Konsensbegriff und die Reglementierungen sind alles Elemente, die wir bei einer Sommeruniversität ansprechen.

Wie wird eine Sommeruniversität organisiert? Wer sind die Hauptsponsoren?

Eineinhalb Jahre vor der Veranstaltung, deren Organisation von den Eucor-Universitäten turnusmäßig übernommen wird, beginnt die Arbeitsgruppe mit einem Brainstorming, um ein aktuelles Umweltthema von trinationaler Bedeutung auszumachen, das den Ausgangspunkt für die Themenstellung bildet, wie beispielsweise der Bau einer Straße oder Eisenbahntrasse durch ein Schutzgebiet. 2004 behandelte die Sommeruniversität die Ressource "Wasser", 2006 das Thema "Energie", 2008 die Abfallbeseitigung und dieses Jahr die Landnutzung. Wenn das Thema einmal angenommen ist, werden die potentiellen Geldgeber angesprochen und die Vortragenden für die Redebeiträge gesucht. Das Programm steht, wenn die Termine mit privaten und öffentlichen Akteuren für Geländebesichtigungen festgelegt sind. Dann können die Werbemaßnahmen los gehen.

Zur Finanzierung trägt jede Universität mit einem Sockelbetrag von 3 000 € bei. In diesem Jahr waren unsere Hauptsponsoren auf französischer Seite das französische Hochschulministerium, die Region Elsass und der Conseil général du Haut-Rhin. Das Land Baden-Württemberg, die EnBW und die Sparkassenstiftung Freiburg-Nördlicher Breisgau unterstützten die Veranstaltung auf deutscher Seite. Wir haben auch 21 000 € von der Deutsch-Französischen Hochschule erhalten. Das Budget beläuft sich insgesamt auf ungefähr 70 000 €. Die Studierenden bezahlen 250 € für die Teilnahme.

Ist der Erfolg der Sommeruniversität darauf zurückzuführen, dass lokale Problematiken angesprochen werden?

Die Hauptmotivation der Studierenden ist in der Tat das Studium lokaler Probleme in einem grenzüberschreitenden, genauer im oberrheinischen Kontext. In diesem Jahr haben zwei nordamerikanische Studierende, die in Basel im Master Program in Sustainable Development eingeschrieben sind, auf die Hauptstärke unserer Sommeruniversität hingewiesen: In Kanada und in den USA findet man keine Veranstaltung, die den Fokus auf gesellschaftliche und kulturelle Differenzen im Umweltbereich richtet. Diese Problematik kann Modellcharakter für Kooperationen in anderen Regionen oder Grenzregionen besitzen.

Die Sommeruniversität zeichnet sich im weiteren dadurch aus, dass sie Studierende aus verschiedenen Fachbereichen auf sehr hohem Niveau zusammenbringt. Diese bilden die Grundlage für zukünftige Kooperationen: Bei der Rückkehr in ihre Labors, in ihre Universität geben sie Informationen über spezifische Themen und Projekte weiter.

Der Gebrauch der beiden Arbeitssprachen, deutsch und französisch, trägt erheblich zum kulturellen Austausch bei. Der Gebrauch des Englischen wäre dem Verständnis der Systeme und Gebräuche in den drei Ländern abträglich und würde die Organisation, das Engagement der Gebietskörperschaften und den Erhalt der Subventionen beeinträchtigen.

Welches sind die markanten Aspekte dieser Sommeruniversitäten - in wissenschaftlicher und menschlicher Hinsicht?

Es ist interessant, über wissenschaftliche Schlussfolgerungen hinauszugehen: Im Rahmen der Gruppenarbeit müssen die Studierenden eine interdisziplinäre Arbeitsweise finden, die ihnen ausgehend von einer Bestandsanalyse erlauben wird, Szenarien zu entwickeln, die zu konkreten Lösungen führen. Dieser methodologische Weg ist schon an sich ein Ergebnis.

In menschlicher Hinsicht gibt es bei der Universität viele Überraschungen! 2004 haben zwei Studierende aus Dresden teilgenommen, einer von ihnen hat sein Studium in Straßburg fortgesetzt und sein Praktikum in meinem Labor absolviert. Er ist anschließend nach Westfrankreich gegangen und hat in einem Amt für Wasserverwaltung in der Bretagne gearbeitet. Im Moment ist er in Afrika tätig!

Im Allgemeinen sind die Gruppen jedes Jahr sehr verschieden und die Rolle der Lehrenden, die sie betreuen, wechselt. Die Studierenden kommen aus einem sehr unterschiedlichen Umfeld. So kann es passieren, dass die Gruppen Schwierigkeiten haben, ein Gleichgewicht zu finden und mit Stress schlecht umgehen; dadurch können Konflikte entstehen. Unsere Aufgabe ist es dann einzuschreiten, um einen Neustart zu ermöglich. Ein anderes Mal befinden sich die Gruppen in einer positiven Dynamik und wir sind sozusagen von ihrer Arbeit „ausgeschlossen“!

Können Sie schon von der Auflage 2012 sprechen?

Die nächste Veranstaltung wird sich wahrscheinlich mit der Verwaltung von technischen und natürlichen Risiken beschäftigen. Die große Neuheit wird darin bestehen, dass die Universitäten Straßburg und Mulhouse-Colmar die Sommeruniversität gemeinsam organisieren werden.

Wo?

Frankreich