Eucor wird in der Forschung viel bewegen

Internationalisierung beginnt vor der Haustür – das KIT spielt in der Konföderation der Europäischen Universitäten am Oberrhein, Eucor, eine aktive Rolle, Sie sind zum zweiten Mal ihr Präsident. Wie wichtig ist eine regionale Identität im europäischen Kontext für Forschung und Lehre?

Sie wird immer wichtiger. Wir haben am Oberrhein mit den Regionen Basel, Elsass und Baden die Chance, wirklich länderübergreifend aktiv zu sein. Das haben die Eucor-Universitäten schon lange erkannt. Begonnen haben sie mit dem Studierendenaustausch – vor mehr als 20 Jahren war das sehr wichtig. Heute gibt es viele Austauschprogramme, die Grenzen sind verschwunden. Da hat sich die Perspektive von Eucor verändert. Es geht jetzt mehr um Forschung. Besonders spannend sind gemeinsame Sommerschulen, bei denen sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler kennenlernen und mit Nachwuchskräften Themen identifizieren.

Trägt Eucor dazu bei, dass die Welt die Akteure am Oberrhein – wie in einer Art Silicon
Valley – besser wahrnimmt?

Der Wunsch nach einer Trinationalen Metropolregion Oberrhein besteht seit einigen Jahren. Dafür haben sich verschiedene Akteure in Arbeitsgruppen - organisiert unter vier Säulen Wirtschaft, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Politik - eingesetzt. Im Dezember 2010 wurde die Trinationale Metropolregion Oberrhein dann offiziell gegründet. Das ist zunächst eine politische Aktivität, um Wirtschaft und Wissenschaft, Öffentlichkeit und Kultur stärker zu vernetzen. Ich halte das für ausgesprochen wichtig. Es hat sich gezeigt, dass gerade Eucor dafür gesorgt hat, dass die Säule Wissenschaft in dieser Initiative prominent aufgestellt ist. Das KIT hat dazu einen wichtigen Beitrag geleistet – das Strategiepapier der Säule Wissenschaft ist unter seiner Federführung entstanden. Ursprünglich hatten wir vor, einen Wissenschaftsfonds zu gründen, der mit öffentlichen Geldern aus den drei Regionen unterstützt wird. Das ist nicht ganz gelungen – wir haben Gelder bekommen, um mit der Wirtschaft Innovationen zu schaffen, aber leider nicht für die vernetzte Forschung. Trotzdem glaube ich, dass ohne Eucor die Trinationale Metropolregion Oberrhein nicht zustande gekommen wäre.

Sehen sich die beteiligten Universitäten nicht als Konkurrenten?

Die Universitäten haben über die Jahre ein Vertrauensverhältnis zueinander entwickelt, das hilft, wenn man in der Forschung kooperieren will. Außerdem formiert sich Eucor mehr und mehr als Verbund hervorragender Einrichtungen – so sind die einstmals drei Straßburger Universitäten fusioniert und liegen als eine große Hochschule im Exzellenzwettbewerb in Frankreich sehr gut im Rennen. Freiburg und Karlsruhe haben den Exzellenzstatus bereits. Und auch Basel ist eine ausgezeichnete Universität. Wir sind am Oberrhein also sehr gut aufgestellt, um uns strategisch absprechen und gemeinsam auftreten zu können. Ein Beispiel ist das Deutsch-Französische Institut für Umweltforschung (DFIU), das unter dem Label von Eucor und unter dem Lead des KIT betrieben wird, das sich aber nicht auf die Regionen der Konföderation beschränkt, sondern breiter und offener angelegt ist. In den nächsten Jahren wird Eucor auf dem Gebiet der Forschung viel bewegen.

Was die Lehre betrifft: Kann Eucor helfen, die Schwierigkeiten bei der europäischen Neuordnung der Studiengänge, etwa bei der Mobilität der Studierenden, nach der Bologna-Reform abzufedern?

Die Mobilität der deutschen Studierenden ist so hoch wie in keiner anderen Nation. Da sehe ich keinen Verbesserungsbedarf. Der Vorteil des Eucor-Verbunds besteht aber darin, dass die Universitäten sehr gut über die Qualität der Lehrveranstaltungen an den Partnerhochschulen Bescheid wissen. Die Anerkennung der Leistungen, die dort erbracht wurden, ist relativ einfach.

"Eucor will propel Research" Sustainable and concerted: KIT is developing an Internationalization Strategy. Klaus Rümmele, Quelle: looKIT 0211 (Auszüge)

Wo?

Frankreich