"Man muss sich eine innovative föderative Struktur für die Oberrheinuniversitäten ausdenken"

2012 hat der Präsident der Universität Straßburg Eucor turnusmäßig für die oberrheinischen Universitäten geleitet. Projekte im Überblick von Alain Beretz für diese atypische Einrichtung, die gerade ihr 20jähriges Bestehen gefeiert hat.

Was ist Ihrer Meinung nach der Mehrwert von Eucor für die Mitgliedsuniversitäten? Forschende, Lehrende, Studierende: für wen hat Eucor am meisten zu bieten?

Alain Beretz: Eucor ist ein origineller internationaler Raum für universitäre Zusammenarbeit, denn er gründet sich auf eine wahre geographische Nähe. Darin besteht der Mehrwert: die verschiedenen Mitgliedsuniversitäten der Konföderation haben alle, wie die Universität Straßburg, internationale Partnerschaften in der ganzen Welt. Die Beziehungen zwischen den oberrheinischen Universitäten sind davon geprägt, physisch zusammenarbeiten zu können: sie sind ein bis eineinhalb Stunden Fahrzeit voneinander entfernt. Interessant dabei ist, dass die Entwicklung dieses "Oberrheins der klugen Köpfe" sich in der Region historisch verankern lässt. Die Wanderung der Forscher und Doktoren entlang des Rheins, von Basel nach Heidelberg hat vor der Reformation begonnen. Unsere Zusammenarbeit stützt sich daher auf eine gemeinsame Kultur.

Selbstverständlich bietet Eucor auch "zweckgebundene" Mehrwerte, von denen die universitäre Gemeinschaft als Ganzes profitiert. Für die Studierenden ist es eine Chance, in einem authentischen internationalen Umfeld zu studieren, in dem man gleichzeitig drei Sprachen praktizieren muss.

Was sind Ihre Prioritäten für diese Amtszeit?

A.B. : Zunächst muss man sich darüber im Klaren sein, dass die einjährige Amtszeit innerhalb des von Eucor festgelegten Turnus stattfindet. Sie wird daher kollegial ausgeübt, und strategische Ausrichtungen werden gemeinsam festgelegt.

Wir sind uns alle darüber einig, dass sich Eucor weiterentwickeln muss. Vor 20 Jahren war die Idee von Eucor sehr innovativ und wirklich interessant. Ein paar sehr schöne Forschungs- (Neurex, Beatus Rhenanus) oder Studienprojekte (die Hochschule für Biotechnologie Strasbourg - École Supérieure de Biotechnologie de Strasbourg) - sind daraus hervorgegangen. Die Aktivitäten sind jedoch immer noch zu wenig bekannt, da sie einen zu kleinen Kreis von Personen betreffen. Eine Lösung wäre hier die Aktionsarten, die von Eucor unterstützt werden, zu vereinfachen, die Latte etwas niedriger anzusetzen und beispielsweise mehr binationale Projekte zu entwickeln, die einfacher und leichter aufzubauen sind als trinationale Projekte.

Wir denken heute auch über die Weiterentwicklung der Rechtsform und des Namens von Eucor nach. Die Konföderation hat zurzeit keine Rechtspersönlichkeit. Wenn man ihr eine verleihen würde, könnte man eine Politik des Fundraisings entwickeln. Man könnte auf Ausschreibungen im Namen von Eucor antworten. Es könnte sich dabei um eine Struktur nach Art der französischen "Pôles de recherche et d'enseignement supérieur" (Lehr- und Forschungspole), die wahre universitäre Einheiten bilden, handeln. Ebenso wird eine Weiterentwicklung des Namens, der international verständlicher sein soll, vom Typ "Oberrhein Universität" ins Auge gefasst. Der Bekanntheitsgrad von Eucor wird heute von dem der Mitgliedsuniversitäten bestimmt. Wenn man einen sichtbareren Namen wählen würde, könnte sich die Tendenz umkehren. Der Kontext dafür ist positiv: die Gebietskörperschaften der drei Länder kommen mit ihrem Projekt einer Metropolregion voran: Hochschulwesen und Forschung sind dabei wichtige Säulen dieses ehrgeizigen Projekts.

Eine große Oberrhein Universität haben Sie oft öffentlich angesprochen und dies vor einem bestimmten Zeithorizont (2020). Handelt es sich dabei um eine Utopie oder wird diese wirklich irgendwann existieren?

A.B. : An der Universität arbeiten wir viel an Utopien und dies im positiven Sinne. Dies verleiht unserer Arbeit ihren Sinn: das erfinden, was noch nicht existiert, Dinge erneuern… In diesem Sinne heißt die Antwort: ja. Die Arbeit des Zusammenhalts der oberrheinischen Universitäten ist bereits ganz konkret: so hat die Universität Freiburg durch ihren Rektor am Erfolg der französischen Exzellenzausschreibung (Idex) der Universität Straßburg mitgewirkt. Ich habe meinerseits die Exzellenzinitiativen von Freiburg und Karlsruhe unterstützt. Ich denke, dass man sich die Schaffung und Entwicklung einer föderativen Struktur für unsere Universitäten durchaus vorstellen kann, selbst wenn die Form noch vollständig erfunden werden muss. Es kann sich nicht um eine Fusion handeln. Man muss extrem kreativ und innovativ sein, um unsere Unterschiede anzugleichen.

Das Interview wurde von Caroline Laplane (Université de Strasbourg) und Caroline Schmitt (Eucor-Koordinationsstelle) durchgeführt. / April 2012

Wann?

Sonntag, 15. April 2012 - 8:00

Wo?

Frankreich