Zehn Jahre Beatus Rhenanus – und wieder ein Anfang

Jubiläum

Konkret handelte es sich dabei zunächst um zwei Forschungsgruppen, eine historischphilologisch ausgerichtete zur Behandlung gemeinsamer Themen im — vom französischen Wissenschaftssystem vorgegebenen – Vierjahresrhythmus und ein Team, das in jeweils einer deutschen, französischen und schweizerischen Equipe alljährlich Ausgrabungen im elsässischen Oedenburg (Biesheim/Kunheim) zur römischen Provinzialgeschichte durchführte. Dokumentiert wurde dies in einem a11jihr1ich erscheinenden Newsletter, der darüber hinaus über die (Forschungs-)Aktivitäten der beteiligten Institute informierte.

Rückblickend darf man feststellen, dass sich das Collegium im ersten Dezennium seines Bestehens seines Namenspatrons Beatus Rhenanus, des grossen elsässischen und auch in Basel wirkenden Humanisten, durchaus würdig erwiesen hat. Die beteiligten Grabungs-Equipen haben sehr erfolgreich die Geschichte des wichtigsten Platzes zwischen Basel und Strassburg am Rhein der Römerzeit aufgehellt von den Anfängen im 1. Jahrhundert n. Chr. bis in die Spätantike. Die historisch-philologische Forschungsgruppe hat nach einem Band, L’invention des grands hommes de la Rome antique’ (Paris 2001) soeben den zweiten ,Visions grecques de Rome’ (Paris 2007) vorgelegt. Ein drittes gemeinsames Projekt ,Praeda. Untersuchungen zur ökonomischen und zur symbolischen Bedeutung der Beute in Rom’ steht kurz vor dem Abschluss. Die grenz- und sprachübergreifende Zusammenarbeit hat alle Beteiligte die wechselseitigen Forschungstraditionen sehr viel besser verstehen las- sen. Interessant war dabei die Erfahrung, in diesen Interaktionen zeitweilig selbst zum Gegenstand eines Basler Projekts zur Mehrsprachigkeit von Forschungsgruppen zu werden.

Viel ist also erreicht worden — durchaus bereits ein kleines Jubiläum. Um so erfreulicher ist es aber, dass der Blick des Collegium Beatus Rhenanus keineswegs nur nostalgisch rückwärts gewandt ist. Ganz im Gegenteil. Erneut hat es eine Pionierrolle übernommen und erstmals im geisteswissenschaftlichen Bereich einen Trinationalen Master in Altertumswissenschaften geschaffen. Die Arbeit hat auch schon erfolgreich begonnen. Die ersten Absolventinnen dieses Studienganges konnten an der diesjährigen Jahresversammlung ihre Diplome feiern. In diesem Zusammenhang hat das Collegium auch sämtliche an der Konzeption des Trinationalen Masters beteiligte altertumswissenschaftliche Institute der vier Universitäten am Oberrhein zum Beitritt eingeladen. Die überwältigende Mehrheit ist dieser Einladung gefolgt, und wir freuen uns über die damit vermehrten Chancen zu einer gedeihlichen Zusammenarbeit.

Konkretisiert wird diese insbesondere dadurch, dass die Planung zweier neuer Forschungsprojekte für die Periode 2009 — 2012 bereits weit fortgeschritten ist. Erstmals wird eine klassisch-philologisch orientierte Arbeitsgruppe mit dem Thema, Das Salz der Antike: Theater und Satire und ihre Rezeption bei den Humanisten. Drucke und Handschriften am Oberrhein’ tätig werden. Die bereits bestehende Arbeitsgruppe hat sich vorgenommen: ,Sozialgeschichte und histoire culturelle – Perspektiven einer neuen römischen Sozialgeschichte Zu beiden Projekten findet sich Niheres in diesem Newsletter. Geplant ist ferner die Herausgabe einer eigenen Buchreihe des CBR, in der die Ergebnisse der gemeinsamen Forschungen und weitere geeignete Werke, insbesondere auch zu deutsch-französischen Themen, publiziert werden und so unsere Zusammenarbeit auch nach aussen dokumentieren sollen.

Am Ende des ersten Dezenniums des CBR gilt also der Dank allen bisher Beteiligten für ihr grosses Engagement. Für die Zukunft steht eine erweiterte fruchtbare, grenz- und sprachübergreifende Zusammenarbeit in Aussicht. Ad multos annos!

Jürgen von Ungern-Sternberg

Wann?

Freitag, 23. November 2007 - 8:00

Wo?

Frankreich