Rückblick auf 2013

Veröffentlichung
Hans-Jochen Schiewer, Jean-Marie Lehn, Antonio Loprieno
Hans-Jochen Schiewer, Jean-Marie Lehn, Antonio Loprieno

Im Verlauf der fünfzehn letzten Jahre haben grundlegende und wegweisende Entwicklungen die universitäre Landschaft auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene stark verändert: zunächst durch den Bologna-Prozess, mit dem europaweit ein dreistufiges System der Studienabschlüsse eingeführt wurde; im weiteren durch die wachsende Fokussierung auf die Forschung an den Universitäten vor dem Hintergrund einer stärkeren nationalen und internationalen Konkurrenz. Die Exzellenzinitiativen zunächst in Deutschland und dann auch in Frankreich machen dies deutlich. In Frankreich wurde darüber hinaus das LRU-Gesetz verabschiedet, das den Universitäten eine größere Autonomie durch neue Leitungsstrukturen und Budgetrahmen einräumt. Die Schweiz führte den Bologna-Prozess gründlich und exemplarisch durch und passte diesem auch die Semestertermine sämtlicher Hochschulen des Landes an. Im Weiteren wurde dort das gemeinsame hochschulpolitische Organ « swissuniversities » gegründet, das zur Vertiefung und Weiterentwicklung der Zusammenarbeit unter den universitären Hochschulen und zur Unterstützung der nationalen und internationalen Koordination auf Schweizer Ebene beiträgt.

Vor dem Hintergrund dieser weitgreifenden Veränderungen blieben unsere oberrheinischen Universitäten nicht untätig. In Straßburg vereinten sich die drei Universitäten und bilden nun die „Université de Strasbourg“. In Karlsruhe fusionierten die Universität und das Helmholtz-Forschungszentrum zum Karlsruher Institut für Technologie.

Ziel dieser Veränderungen ist es zu vereinfachen, sich anzupassen, sich gegenseitig anzunähern und Strukturen zu harmonisieren, die an sich sehr komplex sind. Alle Hochschulen sind auf diesem Weg, für den noch viel Zeit und Einsatz benötigt wird und dies sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene.

In einem derart unruhigen Kontext konnte Eucor, deren Zusammenarbeit von der guten Vernetzung ihrer Mitglieds-universitäten abhängig ist, Überlegungen zur Neugestaltung und Neuorientierung der grenzüberschreitenden Kooperation nicht entgehen; umso mehr, als diese in die notwendige Zusammenarbeit mit politischen Instanzen auf regionaler Ebene in den drei betroffenen Ländern eingebunden werden musste, die sich heute im Rahmen des Projekts der Trinationalen Metropolregion Oberrhein (TMO) engagieren. Die TMO, die von den Gebietskörperschaften ins Leben gerufen wurde, zielt darauf ab, das außerordentliche Potential der Grenzregion europäisch und international sichtbarer zu machen.

Die Rektoren und Präsidenten der Eucor-Universitäten haben sich daher entschlossen strategische Überlegungen anzustellen, die es ermöglichen sollen Eucor so umzugestalten, dass die Grundprinzipien mit den gemeinsamen Herausforderungen für Veränderungen in Einklang gebracht werden und das Potential von Forschung und Lehre auf europäischer und internationaler Ebene deutlicher wird. Daher wurde im November 2012 eine Strategiegruppe eingerichtet. Ihre Ergebnisse und Empfehlungen, die 2013 dem Eucor-Präsidium vorgelegt worden sind, zielen darauf ab, dass die Governance von Eucor umgestaltet wird und die Präsidentschaft künftig drei Jahre von einem der Rektoren oder Präsidenten ausgeübt wird ; dass die Universitäten sich mehr auf die gemeinsame Forschung konzentrieren und ihre Zusammenarbeit in diesem Bereich deutlich verstärken; dass die zentrale Koordination von Eucor und diejenige an den fünf Universitäten umgestaltet wird; dass Eucor an den Mitgliedshochschulen durch die Schaffung einer spezifischen Vizepräsidentschaft gestärkt wird; dass die Kommunikationsaufgaben zwischen der Koordinationsstelle und den zuständigen Abteilungen der Universitäten neu aufgeteilt werden; dass über einen Zeitraum von 8 bis 10 Jahren zur Einrichtung einer Großforschungsstruktur am Oberrhein effektiv beigetragen werden kann; dass Eucor mit ihrer Führungsrolle in der Säule Wissenschaft der TMO die Vernetzung der Forschungs- und Hochschuleinrichtungen am Oberrhein voranbringt.

Mit diesem umfangreichen und ehrgeizigen Programm soll einerseits die in mehr als zwanzig Jahren grenzüberschreitender Zusammenarbeit erworbene Erfahrung, die auch dieser Bericht zum Ausdruck bringt, erhalten bleiben.

Auf der anderen Seite soll die gemeinsame und aufeinander abgestimmte Kooperation weiter entwickelt werden. Dies ist unerlässlich um vereint auftreten zu können und mittel- bzw. langfristig die gesetzten Ziele zu erreichen.

Jacques Sparfel

Eucor-Generalsekretär