The European Campus: Zukunftsraum der Wissenschaft

Auszug aus uni’alumni 2015, ein Magazin der Universität Freiburg

Ein Großprojekt der fünf Universitäten am Oberrhein will Grenzen für Forschung und Lehre überwinden.

Mit der Europäischen Union, dem Euro und dem Schengen-Vertrag ist die Vision eines geeinten Europas zum Teil verwirklicht worden. Dennoch bleiben Grenzen und bürokratische Hürden bestehen – auch für Bildung und Forschung. Das wollen die Eucor-Universitäten am Oberrhein unter Federführung von Freiburg und Straßburg ändern: Ein European Campus soll in Zukunft die Wissenschaft im Dreiländereck näher zusammenbringen. Ein Standort für europäische Forscherinnen und Forscher soll entstehen, der seinesgleichen sucht. Das Leuchtturmprojekt: Die Einrichtung einer Großforschungsinfrastruktur der Eucor-Universitäten und weiterer Partnerinstitutionen mit dem Schwerpunkt Bioinnovationen soll neue Anreize zur Zusammenarbeit bieten. Außerdem ist ein virtuelles Kompetenzzentrum zum Thema Nachhaltigkeit geplant.

Zustimmung in der Politik

Der erste Schritt in Richtung Zukunft besteht darin, eine Rechtsform für den European Campus zu finden. Dies beschlossen die Eucor-Mitglieder in der Präsidiumssitzung im Dezember 2013. Damit sie gemeinsam Gelder beantragen können, ob von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, dem Schweizerischen Nationalfonds, der Agence Nationale de la Recherche oder der Europäischen Kommission, muss der European Campus eine juristische Person werden. „Die bürokratische Brücke über den Rhein schlagen können wir aber nicht alleine: Dazu benötigen wir den Rückhalt von Politik und Gesellschaft in allen drei Nationen“, erklärt Prof. Dr. Hans-Jochen Schiewer, Rektor der Universität Freiburg und Präsident von Eucor.

Im Juli 2014 signalisierten Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann und der elsässische Regionalratspräsident Philippe Richert in einer gemeinsamen Erklärung ihren Beistand. Baden-Württemberg finanziert das Projekt mit 130.000 Euro. Die Region Elsass gibt 60.000 Euro dazu und verspricht, weitere 60.000 Euro über die Initiative d’excellence (IDEX), die französische Exzellenzinitiative, einfließen zu lassen.

Derzeit sind die Eucor-Universitäten dabei, einen Europäischen Verbund für territoriale Zusammenarbeit (EVTZ) zu begründen. „Einen derartigen juristischen Zusammenschluss von fünf Universitäten über die Landesgrenzen hinaus gab es noch nie“, betont Schiewer. „Die EUCOR-Universitäten werden einen European Campus bilden – mit eigener Identität und eigenen Fördermöglichkeiten. Sie behalten dabei aber stets ihre Einzigartigkeit. Wir schaffen ein Ganzes, das mehr ist als die Summe seiner Teile.“

Mathilde Bessert-Nettelbeck

Wann?

Montag, 16. Februar 2015 - 14:45

Wo?

Frankreich