Regio Chimica, „auf Internationalität setzen“

Etudiants de Regio Chimica en laboratoire © UHA
Etudiants de Regio Chimica en laboratoire © UHA

Der 2010 von den Universitäten Freiburg und Mulhouse-Colmar eingerichtete Bachelorstudiengang Regio Chimica bietet etwa 30 Studierenden pro Jahr die Möglichkeit ein Doppeldiplom zu erwerben. Die Studierenden des zweiten Studienjahrgangs, die sich zur Zeit in Mulhouse aufhalten, erklären, weshalb sie an diesem zweisprachigen und bikulturellem Studiengang teilnehmen und reden über die Beziehung zu den Kommilitonen und ihre Berufswünsche.

"Deutsche und Franzosen denken nicht gleich. Man muss Anstrengungen unternehmen, um miteinander klarzukommen. Wenn man eine Party organisiert, planen die Deutschen dies mehr als die Franzosen, die spontaner agieren.“ „Man regt sich doch über die Anderen auf, aber man ist gezwungen, die Probleme zu lösen.“… Viel Konfliktpotential, aber trotz allem möchte man den Anderen verstehen und von ihm lernen.

Die Regio Chimica-Studierenden reden über gegenseitige Bereicherung, Hilfe, Toleranz, geistige Öffnung oder Herausforderung, wenn man sie danach fragt, was ihnen dieser Studiengang bietet, der weit über ein normales Chemiestudium hinausgeht. Die deutschen und französischen Studierenden leben gemeinsam im gleichen Studentenwohnheim, gehen gemeinsam aus und manche verbringen das Wochenende miteinander. „Das ist gut so, dadurch unterstützen wir uns gegenseitig“, bemerkt die 20jährige Carole, die aus der Gegend von Mulhouse stammt.

Die Betreuung der Studierenden durch das pädagogische Team und ihr Zusammenleben sind wahrscheinlich die Hauptfaktoren für Integration und Erfolg. Die Tandem-Methode als Losung des Studiengangs gilt für das gesamte pädagogische Konzept. Florence Duchêne-Lacroix, die sich um die pädagogische Koordination und Betreuung der Studierende kümmert, beschreibt die Methode so: "Tandem ist ein Werkzeug, das zwei Studierenden mit unterschiedlichen Muttersprachen ermöglicht, sich gegenseitig die jeweils fremde Sprache beizubringen; sie wählen dabei aus, was sie genau verbessern möchten: Grammatik, Vokabular, mündlicher Ausdruck. Und die Methode wird nicht nur im Hinblick auf allgemeine Sprachkompetenzen angewandt, sondern auch fachbezogen in der Chemie, was den Studierenden langfristig ermöglicht, in Deutschland, Frankreich und in der Schweiz zu agieren und zu interagieren. Und sie wenden diese an, wenn sie wieder zuhause sind.“

Für den 18jährigen Antoine aus Montpellier lernt man so schneller als in klassischen Sprachkursen und erwirbt gleichzeitig mehr Selbständigkeit. Der 19jährige Felix aus Lahr fügt hinzu, dass die Methode mehr Verantwortung abverlangt, da man die Bedürfnisse und Vorlieben seines Partners im Vorfeld abklären muss.

20% der Lehrveranstaltungen des Bachelors befasst sich mit Interkulturalität – ein Glücksfall für viele Studierende, die vor allem den Horizont erweitern möchten. Für Sabine aus Heidelberg fällt es nach dem Abitur schwer sich für ein bestimmtes Studium zu entscheiden. Über die Lehrveranstaltungen in Chemie hinaus integriert der Regio Chimica-Studiengang Sprach-, Rechts-, Politik- und Biologiekurse, was keine Langeweile aufkommen lässt. Schon im ersten Jahr müssen sich die Studierenden mit einem berufsorientierten Projekt befassen, damit sie sich besser nach dem Bachelor orientieren können. Auch da sind die Unterschiede zwischen Franzosen und Deutschen groß: Mikel und Frank (Franzosen) möchten später Ingenieure werden, der große Traum von Felix ist hingegen, in die Forschung zu gehen.

Die 28 deutschen und französischen Studierenden kommen aus unterschiedlichen Regionen, haben manchmal einen multikulturellen familiären Hintergrund, verfolgen unterschiedliche Karriereziele, sind sich jedoch in einem einig: die richtige Wahl für ihr Studium getroffen zu haben.

Caroline Schmitt

Die Tandem-Methode basiert auf dem Prinzip der Gegenseitigkeit: Deutsche und Franzosen nehmen gemeinsam an einem Sprachkurs teil und helfen sich gegenseitig, die Sprache des Partners zu erlernen. So übernehmen die Teilnehmer abwechselnd die Rolle des Lerners der Fremdsprache und des Vermittlers der Muttersprache. Sie werden dabei von einem deutsch-französischen Tandemlehrerteam begleitet und beraten. Die binationale Begegnungssituation schafft reale Kommunikationsanlässe und fördert die Lernerautonomie. So wird eine Verbindung von sprachlichem und interkulturellem Lernen ermöglicht.