Begegnung, Austausch und Horizonterweiterung

Erfahrungen
Prof. Dr. Stephan Breitenmoser & Dr. Cédric Duchêne-Lacroix (Credits: Universität Basel, Peter Schnetz)

Zwei Eucor – The European Campus Dozenten aus Basel, der Europarechtler Stephan Breitenmoser und der Soziologe Cédric Duchêne-Lacroix, ziehen Zwischenbilanz zu einem Zeitpunkt, in dem europaweit die Weichen für das grenzüberschreitende universitäre Lernen und Lehren gestellt werden.

Stephan Breitenmoser erinnert sich besonders gern an einen Vortrag, den er 1989 als junger Assistenzprofessor an der Gründungsveranstaltung von Eucor in Freiburg im Breisgau hielt: Eine seiner Thesen lautete, dass es trotz fehlender Kündigungsklausel im damaligen EG-Vertrag bei bestimmten Voraussetzungen eine Austrittsmöglichkeit aus der EU geben müsse. „In der anschließenden Diskussion stieß meine These zwar auf heftigen Widerspruch einzelner deutscher und französischer Kolleginnen und Kollegen“, erzählt er. Doch sei sie 1993 vom deutschen Bundesverfassungsgericht in dessen berühmtem Maastricht-Urteil bestätigt worden und finde sich heute sogar im EU-Vertrag von Lissabon. Der Professor für Europarecht an der Universität Basel und Richter am Schweizerischen Bundesverwaltungsgericht beschäftigt sich seit Beginn seiner akademischen Laufbahn mit den europa- und völkerrechtlichen Grundlagen und Entwicklungen der transnationalen Zusammenarbeit sowie mit ihren vielfältigen Bezügen zum schweizerischen Staats- und Verwaltungsrecht.

Vom Seminar zum Masterprogramm
Breitenmoser, der 2001 den Lehrstuhl für Europarecht an der Universität Basel übernahm, ist ein Eucor-Kenner: Seit bald 15 Jahren führt er gemeinsam mit den Universitäten in Freiburg und Strasbourg jedes Jahr ein Seminar zum „Schutz der Grund- und Menschenrechte in Europa“ durch. Die so entstandenen Kontakte führten schließlich zum grenzüberschreitenden Eucor – The European Campus Masterprogramm für Rechtswissenschaften. Dieses wurde 2007 mit dem Prix Bartholdi ausgezeichnet, der unter anderem Initiativen zum Aufbau grenzüberschreitender Studiengänge in der Oberrheinregion fördert. Breitenmoser bezeichnet Eucor – The European Campus als eine „Erfolgsgeschichte“: „Aber es war nicht immer ganz einfach.“ Erstens galt es, den fakultätsinternen Widerstand zu überwinden – seine älteren Kollegen wollten nicht, dass er im Rahmen seines Lehrdeputats für Eucor – The European Campus tätig war, weshalb er dies kurzerhand freiwillig tat. Und zweitens gab und gebe es bis heute immer wieder „bürokratische und formalistische Hürden“ zu überwinden, sagt er: Zum Beispiel gemeinsame Seminartermine oder Rahmenbedingungen für eine Doktorarbeit. Doch dank der „großartigen Unterstützung durch die Mitarbeitenden in der Verwaltung der Universität Basel sowie der Juristischen Fakultät“ gelange man immer wieder zu „positiven, pragmatischen Lösungen für alle Beteiligten“, betont er.

Persönliche Kontakte entscheidend
Wie schafft es Eucor – The European Campus, Studierende und Dozierende trotz der organisatorischen Defizite für das multisprachliche und interkulturelle Lehren und Lernen zu begeistern? „Entscheidend sind die persönlichen Kontakte“, antwortet Breitenmoser. „Das direkte Beziehungsnetz ist der Schlüssel zum Erfolg von Eucor“, meint auch sein Kollege Cédric Duchêne-Lacroix, seit 2007 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Soziologischen Seminar der Universität Basel sowie seit Jahresbeginn Dozent an der Fachhochschule Nordwestschweiz. Duchêne-Lacroix forscht zur Multilokalität und untersucht dabei unter anderen die grenzüberschreitende Arbeitsmobilität, die Mediennutzung sowie sozial und kulturell bedingte Unterschiede in der Wahrnehmung vom Klimawandel in der trinationalen Region Oberrhein. Seine erste Begegnung mit Eucor – The European Campus machte er als Soziologiestudent in Freiburg. „Eine tolle Erfahrung, inspirierend“, erinnert er sich. 2013 führte er zusammen mit Tobias Schlechtriemen von der Albert-Ludwigs-Universität alternierend in Freiburg und Basel ein Blockseminar zu „Multilokalität und Grenzen“ durch – eine grenzüberschreitende Veranstaltung, die er „sehr gerne wieder mitorganisieren und institutionalisiert haben möchte“. Allerdings müsse dies vorläufig ganz ohne jene administrative Unterstützung auskommen, wie sie die Rechtswissenschaften am Oberrhein kennen. „Unser Eucor-Engagement steckt noch in den Kinderschuhen“, so Duchêne-Lacroix. Doch wolle er das Angebot für Studierende ausbauen, das ihn auch als Forscher ansporne.

Eine Bereicherung, die sich auszahlt
An der Universität Basel liegt Eucor – The European Campus heute in der Verantwortung von Maarten Hoenen, Vizerektor für Lehre und Qualitätsentwicklung. Den ersten Eucor-Koordinator und Adjunkten des Rektors bis Juni 2015, Beat Münch, bezeichnet Breitenmoser als „Wegbereiter von Eucor“ vor Ort. Mit der für 2016 geplanten neuen Verwaltungsstruktur von Eucor – The European Campus im Europäischen Verband für Territoriale Zusammenarbeit EVTZ habe der europäische Campus einen Quantensprung gemacht, sagt er: „Die Formalitäten nimmt man in Kauf, weil das grenzüberschreitende Zusammenwirken eine Bereicherung und auch eine Chance ist.“ Nicht nur für Dozierende und Studierende, sondern auch für die beteiligten Hochschulen: Denn ab 2020 sollen ausschließlich jene Universitäten in den Genuss von EU-Fördergeldern kommen, die länderübergreifende Kooperationen aufweisen.

Horizonterweiterung vorprogrammiert
„Eucor bildet soziale und kulturelle Brücken“, meint Duchêne-Lacroix. Breitenmoser ergänzt: „Eucor ist ein immer wichtiger werdender Trumpf für die Universität Basel.“ Beide sind sich einig: Durch den europäischen Campus am Oberrhein sind die Kooperationspartner in die europäischen Forschungslandschaft integriert. Vom mentalen und realen Pendeln zwischen Basel, Mulhouse, Strasbourg, Freiburg und Karlsruhe profitieren nicht zuletzt auch die Studierenden, sind die beiden Dozenten der Universität Basel überzeugt: Begegnung, Austausch und Horizonterweiterung stellen sich automatisch ein.

Anna Wegelin ist freie Journalistin in Basel. Das Gespräch hat im Juli 2015 in Basel stattgefunden.

Wann?

Mittwoch, 11. November 2015 - 16:00

Wo?

Universität Basel
4001 Basel
Schweiz