Journée d’études des Collegium Beatus Rhenanus

Karte des Oberrheins von 1696, Universitätsbibliothek Basel

Der Forschungs- und Lehrverbund Collegium Beatus Rhenanus (CBR) vereint Altertumswissenschaftlerinnen und Altertumswissenschaftler aus vier Universitäten dies- und jenseits des Rheins: die Université Strasbourg, Université de Haute-Alsace Mulhouse, Universität Freiburg und Universität Basel. Die Mitglieder führen gemeinsame Forschungsprojekte durch, geben Publikationen heraus und bieten Lehrveranstaltungen für Studierende und Doktorierende an. Zwei jährliche Institutionen sind fest etabliert: die Journée d’études im Frühsommer und die Jahresversammlung aller Mitglieder im November.

Zur diesjährigen Journée d’études am 3. Juni in Basel fanden sich rund 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer und 6 Vortragende aus den vier Partneruniversitäten ein. Der gemeinsame Studientag dient dem Kennenlernen und dem wissenschaftlichen Austausch zwischen Nachwuchswissenschaftlern wie auch etablierten Forscherinnen und Forschern aus den verschiedenen oberrheinischen Universitäten. Eröffnet wurde der Tag mit einem Vortrag über ein Thema, das für das CBR passender nicht sein könnte: Valentina Sebastiani (Basel) sprach über ihr Projekt zu Renaissance Bestsellern am Oberrhein. Sie stellte die Bedingungen des Druckes von Werken namhafter Humanisten wie Erasmus von Rotterdam, Sebastian Brant und Bonifacius Amerbach durch Johann und Hieronymus Froben vor und untersuchte die Netzwerke und Kommunikationsstrategien der Buchhersteller, um die betreffenden Bücher kommerziell zu verbreiten. Die 7000 kostbaren Editionen und Briefe aus der Zeit (1494-1540), die das Quellencorpus bilden, befinden sich in den Bibliotheken des Oberrheingebiets. Somit erhellt das Projekt Sebastianis die Ursprünge der humanistischen Schriftkultur am Oberrhein, die das Fundament für die weiteren Entwicklungen europäischen Gedankenguts in der frühen Neuzeit bildeten.

Ilse Hilbold (Strasbourg/ Bern) präsentierte die Resultate ihrer Dissertation zu den Gärten (horti) als Orte sozialer und politischer Praktiken am Ende der römischen Republik. Entgegen der älteren Forschung, welche die Gärten oft nur unter dem ästhetischen Aspekt betrachtete, betonte Hilbold die Gleichwertigkeit der Gärten als Wohnorte neben domus und villa. In der Zeit Ciceros waren die horti für die römischen Aristokraten wichtige Orte des Treffens von Freunden, des politischen Gesprächs oder auch des Pflegens des otium, der Muße.

Isabelle Marthot-Santaniello (Basel) stellte das Anfang 2016 gestartete pluridisziplinäre SNF-Projekt „Egypt at the transition from the Byzantine to early Arab world, 6th to 8th centuries“ vor. Mit der arabischen Eroberung Ägyptens 642 n. Chr. durchlief das Land gesellschaftliche und wirtschaftliche Veränderungen. Besonders anhand der oft mehrsprachigen Papyri untersucht ein Team von Althistorikern, Gräzisten, Papyrologen, Koptologen, Byzantinisten und frühislamischen Wissenschaftlern die Kontinuitäten und Brüche in dieser Epoche der Transformation.

Catherine Krier (Freiburg/ Toulouse) erläuterte die Ergebnisse ihrer Masterarbeit zum capita iugata-Schema in der Darstellung hellenistischer Herrscher vor. Die Kompositionsform von Bildansichten zweier Personen im Profil wurde genutzt, um auf Münzen und anderen Medien Verwandtschaftsverhältnisse und politische Allianzen abzubilden. Die Ausschöpfung des visuellen und semantischen Potentials dieses Schemas diente somit der Legitimation der hellenistischen Dynastien.

Judith Hindermann (Basel) berichtete über ihren Kommentar zum zweiten Buch der Briefe des Sidonius Apollinaris, des berühmten gallo-römischen Aristokraten und Bischofs des 4. Jh. n. Chr. Das Teilprojekt des Großprojekts „Sidonius Apollinaris for the 21st Century“ unter Leitung von Gavin Kelly (Edinburgh) und Joop van Waarden (Amsterdam) legt unter anderem Phänomene der Intertextualität frei, über die das Selbstverständnis des spätantiken Autors plastisch hervortritt.

Der Vortrag Sabine Huebners (Basel) gab Einblicke in das Projekt zur Edition der Basler Papyrussammlung. Neben der Publikation der 65 in der Universitätsbibliothek Basel liegenden Papyri interessieren sich die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auch für die Anschaffung und Forschungsgeschichte der Kollektion, die genetische Beziehungen zu anderen Sammlungen, wie etwa derjenigen Straßburgs, unterhält. Unter den griechischen, koptischen, hieratischen und lateinischen Papyri befindet sich laut Huebner auch der älteste christliche Privatbrief.

Alle Vorträge stießen auf ein großes Interesse, die Diskussionen waren lebhaft und produktiv, und bildeten die Grundlage für neue Kontakte unter den Forschenden auf dem European Campus. Für mögliche neue länderübergreifende Kooperationen innerhalb des CBR stellt Eucor – The European Campus demnach den idealen Rahmen dar, Projekte aufzugleisen und deren Sichtbarkeit nach Außen hin noch weiter zu erhöhen.

MA Laura Diegel

Wann?

Dienstag, 21. Juni 2016 - 17:30