„Wissenschaft kennt keine Grenzen“

Credits: Markus Breig/KIT

Luisa de Cola lebt das Modell von Eucor – The European Campus. Die Professorin am Institut für Supramolekulare und Biomaterielle Chemie (ISIS) der Universität Strasbourg reist mehrmals im Monat vom Elsass ans Karlsruher Institut für Technologie (KIT), um ihrer zweiten Tätigkeit nachzugehen: Sie ist Wissenschaftlerin am Institut für Nanotechnologie am Campus Nord. Das viele Reisen stellt in ihrem Arbeitsalltag kein Problem dar –  die Bürokratie der unterschiedlichen Einrichtungen und Länder zu koordinieren allerdings schon.

Nanomaterialien für den medizinischen Einsatz, die Erforschung von Molekülen und ihrer Zusammensetzung, der Elektrotransport und Informationsaustausch durch Nanopartikel – damit beschäftigt sich Luisa de Cola in ihren Projekten. Sie versucht, biologische Prozesse nachzuahmen, etwa die Vorgänge im Körper von Alzheimer-Patienten. In einem Helmholtz-Projekt erforscht sie die Möglichkeit, bestimmte Funktionen in Partikel zu integrieren, um diese im medizinischen Kontext einzusetzen. "Wir forschen beispielsweise an Teilchen, die Medikamente an die gewünschte Stelle im Körper transportieren und sich selbst zerstören, nachdem sie ihren Zweck erfüllt haben. In Straßburg haben wir an Partikeln gearbeitet, die auf bestimmte Enzyme, eine Veränderung im PH-Wert oder Ultraschallwellen reagieren und zerfallen – das ist etwa für die Tumorforschung relevant." Auch die Rekonstruktion von Gewebe wird im Verbund von Eucor – The European Campus erforscht: Innere Wunden sollen durch zugeführte Zellen geschlossen werden, indem diese sich zu neuem, gesundem Gewebe vermehren.

Zur biomedizinischen Nanotechnologie gelangte Luisa de Cola auf Umwegen. Sie studierte in Italien Chemie, ging für ein Postdoc-Programm in die USA, unterrichtete an Universitäten in Italien, den Niederlanden, Deutschland und schließlich Frankreich. "Ich wollte schon immer etwas Sinnvolles machen, der Menschheit nutzen. In den Niederlanden forschte ich zu Elektroleuchtmitteln in Zusammenarbeit mit Philips. Diese erleichtern zwar den Alltag, die Behandlung und Vorbeugung von schweren oder tödlichen Erkrankungen erschien mir aber ein wichtigeres Feld. So kam der Wechsel Richtung Biomedizin." Heute unterrichtet die Nanotechnologin im Masterstudiengang Chemie in Straßburg und betreut Doktoranden und Postdocs dort und am KIT.

Grenzübergreifender Austausch in kultureller wie wissenschaftlicher Hinsicht spielen für sie eine tragende Rolle: "Für mich ist Eucor eine fantastische Initiative für Studierende und Forscher. Die Universitäten im Verbund ergänzen sich in ihren jeweiligen Spezialgebieten optimal: Straßburg und Freiburg legen den Fokus auf Biomedizin und Chemie, das KIT steht für die Bereiche Physik und Technik, Basel ist Spezialist in Bio-Nanotechnologie. Wissenschaft kennt eben keine Grenzen und Nationalitäten." Der Austausch bereichere die Institute, weil die Vertreter der Universitäten jeweils eigene Fähigkeiten und Eigenschaften mitbringen. Offenheit, Toleranz, Innovation seien die Folge.

Aus Luisa de Colas Sicht ermöglicht die internationale Zusammenarbeit eine multidisziplinäre Ausbildung und Forschung, die gar nicht umfassend genug gestaltet werden könne. Den PhD würde sie gerne auf vier Jahre ausweiten, damit Doktoranden die unterschiedlichen Fachgebiete genügend kennenlernen und auch noch mehr interkulturelle Erfahrungen sammeln. In der Organisation der Forschungsprojekte sieht die Wissenschaftlerin einige Schwachstellen: "Ich kann zum Beispiel keine Doktoranden betreuen, die am KIT angestellt sind, weil ich an der Universität Straßburg lehre. Diese Hürden müssen beseitigt werden, um gemeinsame Projekte zu realisieren. Wenn die Bürokratie nicht grenzübergreifend arbeitet, wird Eucor nicht funktionieren."

Sarah Mall

Wann?

Donnerstag, 7. Juli 2016 - 15:30