„Ich mache das für mich“

Marie-Luise Grutza (Credits: privat)

Viele müde Gesichter sind an diesem Morgen in der Universitätsbibliothek in Freiburg zu sehen, doch das Gesicht von Marie-Luise Grutza gehört nicht dazu. Sie ist es gewohnt, früh aufzustehen und hat heute nicht nur einen langen Tag, sondern auch einen weiten Weg vor sich. Die 23-jährige studiert Chemie im dritten Mastersemester. Ihre Heimathochschule ist Freiburg, dank Eucor – The European Campus besucht sie auch Vorlesungen in Straßburg. Die Leistungspunkte dafür braucht sie für ihren Abschluss nicht, sie mache es „just for fun“. Nach dem Abitur wollte sie ursprünglich ein Auslandsjahr als Au-Pair in Frankreich machen, doch sie entschied sich stattdessen für ein Studium: den Eucor-Bachelor „Regio Chimica“, bei dem die Studierenden das erste Jahr in Mulhouse, das zweite in Freiburg und das dritte je nach Wahl an einer der beiden Unis studieren. „Es war der perfekte Mittelweg – ich konnte studieren und gleichzeitig ins Ausland gehen.“ Die Betreuung sei sehr gut gewesen und einer der Gründe, weshalb sie sich im Master wieder für Eucor – The European Campus entschieden habe.

Doch eines ist jetzt anders: Es handelt sich nicht um einen Eucor-Studiengang mit Doppelabschluss. Das bedeutet, dass Marie-Luise die Organisation diesmal selbst in die Hand nehmen muss. Ein bis zwei Mal pro Woche fährt sie nach Straßburg. Das Ticket, der sogenannte „Europass“, gilt 24 Stunden lang, kostet neun Euro und gilt im gesamten Gebiet des Tarifverbunds Ortenau (TGO ) sowie im Stadtverband Strasbourg Eurométropole. Klingt praktisch, gestaltet sich in der Umsetzung jedoch schwierig. Man kann ihn nicht im Voraus und nur vor Ort ab Ringsheim kaufen. Für die Hin- und Rückfahrt zahlt Marie-Luise letztlich elf Euro für den Europass und zusätzlich für die kurze Strecke, die weder davon noch vom Semesterticket abgedeckt wird. Die Wartezeiten muss sie einplanen und entsprechend früher fahren. Anderthalb bis zwei Stunden für die Anfahrt, wenn es gut läuft. Demnächst muss sie eine Klausur in Straßburg schreiben – um acht Uhr morgens. Ein großer Aufwand, finanziell und zeitlich, und am Ende steht nur ein Vermerk im Zeugnis. Marie-Luise würde sich dennoch wieder dafür entscheiden, zwischen Frankreich und Deutschland zu pendeln. „Man muss schon viel Zeit mitbringen und bereit sein, das Studium selbst zu organisieren“, sagt sie. Sie möchte diese Gelegenheit nutzen, um im Ausland zu studieren. „Ich mache das für mich.“

von Simone Ahrweiler

Wann?

Montag, 29. August 2016 - 13:45