Qualitätssicherung und gemeinsame Berufungen – Arbeitspakete in Karlsruher Verantwortung

L'équipe du Campus européen au KIT : Tima Ungemach, Serviola Beqiraj, Simon Martin et Cornelia Schmidt. Credit: Andreas Drollinger.
L'équipe du Campus européen au KIT : Tima Ungemach, Serviola Beqiraj, Simon Martin et Cornelia Schmidt. Credit: Andreas Drollinger.

Am KIT koordiniert Serviola Beqiraj, Mitarbeiterin der Dienstleistungseinheit Internationales, das Projekt „Eucor - The European Campus: Grenzüberschreitende Strukturen“. Mit ihr im Team sind Cornelia Schmidt, Simon Martin und Tima Ungemach, die seit Herbst 2016 ein Konzept für die hochschulübergreifende Qualitätssicherung in der Lehre und gemeinsame Berufungen zwischen Eucor-Universitäten entwickeln. Im Interview geben sie Einblick in ihr Aufgabenspektrum und ihre ersten Ergebnisse.

Herr Martin, die EU fördert das Arbeitspaket Qualitätssicherung für drei Jahre mit Interreg-Mitteln, mit denen sie die europäische territoriale Zusammenarbeit unterstützt. Was sind die konkreten Aufgaben und Vorhaben für diesen Zeitraum?
Simon Martin: Wir denken nicht nur bis Ende 2018, sondern weit darüber hinaus. Es geht darum, in den nächsten zwei Jahren etwas auf die Beine zu stellen, das dann trägt. Unser vom Förderzeitraum unabhängiges Ziel ist es, eine Vorbildfunktion für andere überregionale Verbünde zu erfüllen. Dabei liegt unser Fokus stark auf der Lehre. Bisher haben wir die Partnerhochschulen besucht und mit den Qualitätsmanagern vor Ort gesprochen: Welche Instrumente zur Sicherung der Qualität der Lehre nutzen die jeweiligen Universitäten? Werden Evaluationen und Befragungen zu Studiengängen und Lehrveranstaltungen vorgenommen, und was geschieht mit den Ergebnissen? Nachdem wir die Informationen zusammengetragen haben, werden wir im nächsten Schritt sehen, wo Kooperationen ansetzen können und auf welchen Gebieten eine Abstimmung in der Qualitätssicherung sinnvoll sein könnte. Wir wollen außerdem einen Rahmen schaffen, in dem sich die Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner persönlich kennenlernen und vernetzen können.

Geht es auch um die Vereinheitlichung aller beteiligten Systeme, um eine Herangehensweise für alle Eucor-Hochschulen zu etablieren?
Martin: Die Unterschiede zwischen den Universitäten und ihren nationalen rechtlichen Rahmenbedingungen sind groß, sodass Vereinheitlichung als Ziel zu hoch gesteckt und auch nicht sinnvoll wäre. Wir streben vielmehr eine Annäherung an und sind auf der Suche nach Disziplinen, die sich dafür anbieten. Das Wichtigste bei diesem Prozess ist, dass alle Partnerhochschulen eingebunden sind.

Was ist bezüglich der geteilten Berufungen geplant?
Cornelia Schmidt: Meine Aufgabe ist es, herauszufinden, wie wir gemeinsame Professuren an den fünf Universitäten ermöglichen können. Professuren sind – neben den Studierenden – das Rückgrat, das Wichtigste einer Hochschule und deren Auswahl ein Alleinstellungsmerkmal. Gute Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für die Lehre anzuwerben, bedeutet auch einen Standortvorteil. Eine Person an unterschiedliche Unis zu berufen, wäre für alle Beteiligten von Vorteil.

Gibt es nicht bereits geteilte Professuren am KIT?
Schmidt: Ja, die gibt es. Die Regel ist das allerdings nicht, üblich sind bis jetzt Gastprofessuren oder Aufenthalte über Austauschprogramme und als Gastdozentur. Wir wollen aber etwas Neues ermöglichen: dass eine Person an zwei oder mehreren Eucor-Universitäten gleichzeitig arbeiten kann. Dafür müssen die Voraussetzungen geschaffen werden. Auch hier besteht die zentrale Herausforderung in den unterschiedlichen Systemen und Ländern – Frankreich ist relativ zentralistisch, Deutschland und die Schweiz haben etwa dasselbe Verfahren, jedoch in unterschiedlicher Ausprägung. Rechtssysteme, Rentenregelungen und so weiter unter einen Hut zu bringen, ist die Herausforderung.

Das Projekt läuft nun seit etwa einem halben Jahr – gibt es bereits erste Ergebnisse?
Schmidt: Solche Projekte bestehen aus einem andauernden Prozess. Komplexe Sachverhalte, viele Beteiligte – da gibt es innerhalb von drei Monaten noch kein messbares Ergebnis. Es geht da eher um Ideelles. Die Verbindungen werden durch das Kennenlernen und den Austausch gestärkt. Wir möchten auch, dass der Verbund gut weiterläuft und als Anstoß und Vorbild für andere Grenzregionen dient, etwa die Saar-Lor-Lux-Region. Die Hochschulen dort haben ähnliche Bestrebungen und können von unseren Ergebnissen profitieren.
Serviola Beqiraj: In anderen Arbeitspaketen geht es u. a. um gemeinsame Workshops oder Sommerschulen für Promovierende und Studierende, das ist fassbar. Das Thema Qualitätssicherung ist dagegen eher abstrakt. Unser Ziel ist zunächst die Sichtbarmachung der Prozesse und Potenziale, die im Verbund zusammenspielen und woraus sich gemeinsame Wachstumsmöglichkeiten ergeben, die zukunftsträchtig sind – das ist unsere Vision.

Sarah Mall

Wann?

Montag, 20. Februar 2017 - 17:30