Eucor-Doktorand: Unterschiede fallen erst im Vergleich auf - in der Forschung und im Leben

Credits: J.Ruta / DFH-UFA
Eucor-Doktorand Manuel Gruber bei der Preisverleihung mit Patricia Oster-Stierle, der Präsidentin der Deutsch-Französischen Hochschule. Credits: J.Ruta / DFH-UFA

Manuel Gruber hat am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und an der Université de Strasbourg in Physik promoviert. Dabei erforschte er die elektronischen und magnetischen Eigenschaften von Hybrid-Grenzflächen. Die Deutsch-Französische Hochschule verlieh ihm dafür den Dissertationspreis. Als Post-Doc an der Universität Kiel arbeitet der 29 Jahre alte Forscher aus Strasbourg in der Arbeitsgruppe Raster-Tunnelmikroskopie. Klaus Rümmele vom KIT hat mit ihm gesprochen.

Herr Gruber, in Karlsruhe und Strasbourg gehörten Sie der Deutsch-Französischen Graduiertenschule “Hybride Organische-Anorganische Nanostrukturen und Molekulare Elektronik“ an. Haben Sie aus der Schule bestimmte wissenschaftliche Impulse mitgenommen?
Manuel Gruber: Die Schule glich eher einer Struktur, der ich angehörte. Gleichzeitig war ich Teil eines Teams mit anderen Doktoranden, von denen einige auch an der Schule waren. Diese organisierte Veranstaltungen, Kurse und Treffen, die sehr nützlich waren. Unter anderem lud sie auch Experten ein, mit denen wir wissenschaftliche Fragen diskutierten. Ein weiterer Vorteil war das Netzwerk unter den Doktoranden. Mein Thema ist Physik mit Molekülen, daher ist die Interaktion mit Chemikern entscheidend. Die Schule brachte beide Disziplinen zusammen – dies war eine sehr hilfreiche Kooperation.  

Begegneten Ihnen unterschiedliche wissenschaftliche Ansätze in Strasbourg und Karlsruhe, die sich gegenseitig beeinflussten und bereicherten?
Gruber: Die Teams und die Ansätze unterscheiden sich. In Deutschland sind die Doktoranden unabhängiger, sie haben mehr Raum, um Themen selbst zu erforschen. Sie kümmern sich auch mehr um technische Aspekte, da ihren Teams weniger Techniker angehören. In Frankreich arbeiten mehr Menschen dauerhaft mit Maschinen im Labor, Wissenschaftler genauso wie Techniker. Als Doktorand erfährst du mehr Aufsicht. Ich hatte beides: Ich konnte selbstständig forschen und hatte zugleich viel Unterstützung. Das war klasse.

Wie organisierten die Doktorandinnen und Doktoranden ihren Austausch?
Gruber: Meine Hauptuniversität war Strasbourg. Wenn ich eine Idee für ein Experiment hatte, für das ich Anlagen in Karlsruhe brauchte, habe ich dies ein bis zwei Monate im Voraus eingeplant und habe dann etwa die gleiche Zeit in Karlsruhe verbracht. Es war einfach, dafür organisatorische und finanzielle Unterstützung zu bekommen.

Hatten Sie engen Kontakt zu den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in Karlsruhe?
Gruber: Ja, eine gemeinsame Diskussion war stets möglich. Ich war in die Forschungsgruppe integriert und konnte an allen Seminaren teilnehmen.

Haben Sie sich auch persönlich weiterentwickelt?
Gruber: Für mich war es wichtig, viel über das deutsche Forschungssystem zu lernen. Es gibt unterschiedliche Forschungssysteme, man sollte nicht nur ein Bild im Kopf haben – es ist sehr fruchtbar, sich dies bewusst zu machen. Zudem gibt es einen kulturellen Aspekt: Wenn man stets im selben Land lebt, gewöhnt man sich an gewisse Dinge. Erst woanders fallen einem unterschiedliche Lebensweisen auf. Wenn du in Deutschland mit Kollegen in der Pause zum Mittagessen gehst, dauert dies nicht lang. In Frankreich nehmen sich die Menschen gerne mehr Zeit.

Haben Sie noch Kontakt zu Ihren Studienkolleginnen und -kollegen von der Graduiertenschule?
Gruber: Ja, vor allem zu denen, die in der Wissenschaft geblieben sind. Aber auch zu denen, die in die Industrie gegangen sind. Diese Kontakte sind bestimmt hilfreich. Wenn man promoviert, erlebt man Phasen mit viel Arbeit und Stress. Andere Doktoranden unterstützen einen dann und werden zu Freunden. Diese Freundschaften halten.

Wie können Sie die Erfahrungen aus Ihrer Promotion für Ihre Arbeit in Kiel nutzen?
Gruber: Da ich Mitglied in zwei Forschungsgruppen war, habe ich viel über verschiedene Aspekte meines Themas gelernt und konnte so für meine Post-Doc-Phase genauer formulieren, welche Fragestellungen ich untersuchen will. Es ist wichtig, einen Überblick zu haben. Außerdem habe ich einige Erfahrungen mit Mobilität gesammelt. Ich habe mit verschiedenen Gruppen gearbeitet und ihre unterschiedlichen Herangehensweisen kennengelernt, Wissenschaft zu organisieren und Probleme zu lösen. Jede Gruppe hatte ihr eigenes Rezept. Das hat es für mich einfacher gemacht, zu einer neuen, dritten Gruppe zu gehen, zumal sie in Deutschland ist. Die Erwartungen an Post-Docs sind in Frankreich und Deutschland unterschiedlich – zum Beispiel habe ich in Deutschland die Aufgabe,  Doktoranden und Masterstudenten zu betreuen. Ich weiß, was erwartet wird – das ist ein Vorteil.

Worum geht es bei Ihrer Forschung in Kiel?
Gruber: Die Idee ist, ein Molekül zu verwenden, das die Funktion eines elektronischen Baukastens hat. Für gewöhnlich sind die Komponenten solcher Kästen groß – ich will sie verkleinern und einen Komponenten aus einem einzelnen Molekül herstellen. Unser Ziel sind Moleküle, die verschiedene Zustände mit unterschiedlichen Eigenschaften haben. Wir wollen die Zustände nutzen, um elektronische Funktionen zu entwickeln. Ein wichtiges Instrument dafür ist das Raster-Tunnelmikroskop mit einer hohen Auflösung im Pikometer-Bereich.

Klaus Rümmele

Wann?

Montag, 20. März 2017 - 15:45