Chemische Experimente auf Deutsch-Französisch

Credits: Thomas Kunz
Credits: Thomas Kunz

Für ihre Kampagne „Europa macht’s möglich“ besucht die Freiburger Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer europäische Projekte mit Vorbildcharakter. Dazu gehört auch der deutsch-französische Studiengang „Regio Chimica“, den die Universität Freiburg und die Université de Haute-Alsace gemeinsam anbieten.

Eine Gruppe deutscher und französischer Studierender steht im Labor und zeigt, wie ein Gummibärchen in geschmolzenem Kaliumchlorat grell flimmernd verglüht. Eigentlich nutzen alle Freiburger Chemiestudierenden die Räume im Chemiehochaus für ihre Experimente. Doch die Studierenden des Bachelorstudiengangs „Regio Chimica“ tüfteln auch in anderen Laboren: Die eine Hälfte ihres Studiums verbringen sie an der Universität Freiburg und die andere an der Université de Haute-Alsace in Mulhouse.

„Natürlich ist es ein Mehraufwand, auf zwei Sprachen und in zwei Ländern zu studieren – aber man hat auch mehr davon“, erzählt eine Studierende. „Unternehmen suchen oft Absolventen, die internationale Erfahrungen haben und mehrere Sprachen sprechen“, pflichtet Mikel Mangold, der nach seinem Bachelorabschluss nun einen Master in Chemie absolviert, ihr bei. Es komme eben nicht nur auf die Hard Skills im Fach selbst, sondern auch auf die Soft Skills an.

Mit den Experimenten im Labor zeigen die Studierenden und Alumni des Studiengangs der Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer bei ihrem Besuch praktische Versuche in der Chemie – wie die Reaktion des Zuckers mit dem erhitzten Kaliumchlorat. „Wir wollen anhand konkreter Beispiele zeigen, was Europa möglich macht und welche Vorteile wir genießen“, so Schäfer. Dazu gehöre auch, sich über die Landesgrenzen hinweg zu qualifizieren und gegenseitig voneinander zu lernen. „Mein Anliegen ist es auch, dass wir uns als einen gemeinsamen Wirtschaftsraum empfinden“, betont Schäfer. Dafür seien duale Studiengänge und Ausbildungen wichtig.

Fachlich gut, aber kein Fachidiot
Die Motivation für ein binationales Studium liegt bei den meisten Studierenden aber nicht nur darin begründet, bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu haben. „Man möchte fachlich gut sein, aber man will auch kein Fachidiot sein, sondern über den Tellerrand hinausdenken“, sagt Franziska Elterlein. Sie hat nach dem Regio Chimica einen Master absolviert und promoviert derzeit in Chemie.

Diesem Anspruch trägt der Studiengang Rechnung: Es wird nicht nur Chemie gelehrt – ein Teil der Vorlesungen widmet sich auch der Interkulturalität und der Landeskunde. Die Studierenden lernen zum Beispiel das Bildungssystem und das politische System des jeweiligen Partnerlandes kennen.
„Wir freuen uns sehr, dass unser binationaler Studiengang so ein Erfolg geworden ist – und wir auch anfängliche Hürden in den unterschiedlichen Verwaltungen in Deutschland und Frankreich überwinden konnten“, erzählt Harald Hillebrecht, Studiengangsleiter von „Regio Chimica“ in Freiburg.

André Fuchs ist Absolvent des Studiengangs und arbeitet inzwischen in Frankreich bei einer Firma mit Sitz in der Schweiz. Er weiß aus eigener Erfahrung: „Die Moleküle heißen mehr oder weniger gleich – aber das Miteinander ist das Entscheidende. Dafür braucht man die Sprache.“

Regio Chimica
Der duale Bachelorstudiengang „Regio Chimica“ wurde 2010 gestartet. Er schließt nach sechs Semestern mit einem Zeugnis in Deutschland und Frankreich ab. Die Studierenden verbringen ihr Studium sowohl an der Universität Freiburg als auch an der Université de Haute-Alsace in Mulhouse. Der Studiengang wurde 2014 mit dem Prix Bartholdi ausgezeichnet, der die trinationale Zusammenarbeit am Oberrhein stärken will.

 

Wann?

Donnerstag, 8. Juni 2017 - 14:15