Geschlossene Grenzen und Arbeiten im Homeoffice: Wie gehen die grenzüberschreitenden Projekte am European Campus in der Corona-Krise weiter? In einer Serie fragen wir Forschende und Lehrende über Auswirkungen der Krise auf ihre bi- oder trinationale Zusammenarbeit.

Dr. Kira Schumacher ist Projektleiterin von „SuMo-Rhine“ am Karlsruher Institut für Technologie. Erklärtes Ziel des Projektes ist es, nachhaltige grenzüberschreitende Mobilität zu fördern.

Frau Schumacher, wie wirkt sich die Corona-Krise aktuell auf Ihr Projekt aus?
Dr. Kira Schumacher: Wir sprechen viel über die Auswirkungen der Krise, weil sie unseren Arbeitsplan durcheinanderwirbeln. Ein Teil des Projektes besteht zum Beispiel in einer Befragung der Bevölkerung zu ihrem Mobilitätsverhalten. Die Krise bedeutet aber, dass das normale Verhalten, wie wir es gewohnt sind, aktuell nicht stattfindet. Zum Beispiel steigt man jetzt eher auf das Auto um, anstatt den öffentlichen Nahverkehr zu nutzen. Es gibt ein kleineres Angebot an Zugverbindungen, Busse fallen teilweise ganz aus. Für unsere Forschung möchten wir aber den Normalfall darstellen. Wir diskutieren darüber, wie wir unsere Forschung an die neue Situation adaptieren können und passen teilweise unseren Zeitplan an. Wir müssen einfach beobachten, wie sich die Situation entwickelt.

Die reduzierte Mobilität bringt auch weniger Emissionen mit sich. Profitiert die Mobilitätswende von der Krise?
Schumacher: Wir sehen in der Krise natürlich auch eine Chance. Wir lernen mit neuen Formaten umzugehen und erweitern unsere digitalen Kompetenzen. Viele Menschen arbeiten von zuhause, persönliche Treffen werden ersetzt durch Online-Konferenzen. Das reduziert natürlich die Emissionen. Nachhaltige Systeme sind aber immer mehrdimensional und haben neben den ökologischen auch ökonomische und soziale Aspekte. Der direkte, persönliche Kontakt kommt aktuell einfach zu kurz. Dieser ist aber nicht immer ersetzbar.

Was bedeutet das für die Nachhaltigkeit und in Ihrem Fall auch die Beteiligung der Öffentlichkeit am Projekt?
Schumacher: Wir schauen in unserem Projekt, wie wir die Mobilität verbessern können, nicht, wie wir die Mobilität reduzieren. Auch bei uns im Projekt brauchen wir den Kontakt und die Begegnung zum einen nach innen mit unseren Projektpartnern und zum anderen nach außen mit den verschiedenen Interessengruppen. Der Transfer unserer Ergebnisse in die Zivilgesellschaft ist erschwert, da wir den direkten Dialog brauchen. Öffentliche Workshops, das Einholen von Feedback von Stakeholdern, das Diskutieren von neuen Ideen – nicht alles funktioniert digital genauso gut. Daher geht es nicht darum, die Mobilität schlicht zu reduzieren, sondern in unserem Fall grenzüberschreitende nachhaltige Verkehrssysteme auf- und auszubauen.

Informationen zum Projekt

„SuMo-Rhine – Förderung der nachhaltigen Mobilität in der Oberrheinregion“ wird im Rahmen des Interreg-V Oberrhein Programms durch die Europäische Union gefördert.