Geschlossene Grenzen und Arbeiten im Homeoffice: Wie gehen die grenzüberschreitenden Projekte am European Campus in der Corona-Krise weiter? In einer Serie fragen wir Forschende und Lehrende über Auswirkungen der Krise auf ihre bi- oder trinationale Forschungszusammenarbeit.

Die Lehre an den Universitäten ist von der Corona-Krise und den Maßnahmen zur Eindämmung des Virus stark betroffen: Vorlesungen, Seminare, Workshops, praktische Übungen – sie dürfen nicht mehr als Präsenzveranstaltungen stattfinden. Wie gehen die Lehrenden damit um? Elena Makarova ist Professorin für Bildungswissenschaften an der Universität Basel und befasst sich mit dieser Frage.

Frau Prof. Makarova, Sie haben eine Studie zu den Auswirkungen der Krise auf die Lehre initiiert. Was ist dabei Ihre zentrale Fragestellung?
Prof. Elena Makarova: In unserer ländervergleichenden Studie möchten wir untersuchen, wie Hochschullehrende den Übergang von konventionellen Lehrarrangements zur Online-Lehre nach dem Coronavirus bedingten Lockdown gemeistert haben und welche organisatorischen und didaktischen Herausforderungen sich ihnen in diesem Prozess stellten. Der Ländervergleich ist insofern sehr spannend, als sich die Hochschullehrenden der teilnehmenden Universitäten in der gleichen Situation befanden: Sie mussten, so zu sagen von heute auf morgen, eine umgehende Umstellung und Anpassung der Lehre auf digitale Kanäle vollziehen. Nun möchten wir erfahren, wie diese Herausforderungen bewältigt wurden und inwieweit dadurch die Hochschullehre kurz- und langfristig geprägt wird.

Worin liegt die Bereicherung, die Studie mit Einbezug der Partner von Eucor – The European Campus zu konzipieren?
Makarova: Initiiert wurde die Studie von einem Team von Forschenden aus Universitäten in Argentinien, Deutschland, Israel, USA und auch der Schweiz. Da wir am Institut für Bildungswissenschaften der Universität Basel bereits Kooperationen im Bereich der Nachwuchsförderung mit der School of Education am „Freiburg Advanced Center of Education“ (FACE) pflegen, bestanden schon zuvor Beziehungen zu den Kolleginnen und Kollegen am European Campus. Im Rahmen dieser wissenschaftlichen Verbindung wurden bereits gemeinsam Tagungen organisiert und neue Events geplant. Diese bestehenden Kooperationen gaben Anlass dazu, Forschende vom European Campus für eine Zusammenarbeit in unserer ländervergleichenden Studie anzufragen. Ich habe mich besonders über die Zusagen der Kolleginnen und Kollegen von den Universitäten Haute-Alsace und Strasbourg gefreut! Denn je mehr Länder und Institutionen wir in der Studie berücksichtigen können, desto umfänglicher werden unsere Ergebnisse sein. Zudem können wir so Aussagen zur Generalisierbarkeit unserer Befunde besser empirisch untermauern. Abgesehen von einem Gewinn für die Studie verspreche ich mir von dieser Forschungskollaboration eine langfristige Beziehung mit den bildungswissenschaftlichen und fachdidaktischen Fachbereichen der Universitäten am European Campus, die unsere Arbeit in der Forschung und Lehre gegenseitig bereichern wird.

Denken Sie, die Veränderungen in der Lehre werden nach der Krise weiterwirken? Und kann die Krise auch Treiber für eine vermehrt grenzüberschreitende oder internationale Lehre werden?
Makarova: Genau solche Fragen wird unsere Studie basierend auf den Daten aus mehreren Ländern fundiert beantworten können. Persönlich denke ich, dass die Krise bestimmt einen Impuls zur professionellen Weiterentwicklung von Hochschullehrenden im Bereich der digitalen Lehre gegeben hat, die von einem nachhaltigen Charakter sein wird. Dass in diesem Zusammenhang auch internationale Beziehungen gefördert wurden, zeigt unsere Studie. Davon profitiert selbstverständlich auch die Hochschullehre.