Geschlossene Grenzen und Arbeiten im Homeoffice: Wie gehen die grenzüberschreitenden Projekte am European Campus in der Corona-Krise weiter? In einer Serie fragen wir Forschende und Lehrende über Auswirkungen der Krise auf ihre bi- oder trinationale Zusammenarbeit.

Interkulturalität bildet ein wichtiges Standbein für den European Campus. Prof. Loïc Chalmel ist Professor für Interkulturalität an der Université de Haute-Alsace.

Herr Prof. Chalmel, geschlossene Grenzen und ein politischer Rückzug ins Nationale: Wie steht es aktuell um die Interkulturalität?
Prof. Loïc Chalmel: Die Schließung der Grenzen war ein Schock für alle Universitätsangehörigen, die im Rahmen von Eucor oder mit einer transnationalen Perspektive arbeiten. Ob Franzosen, Schweizer oder Deutsche – es war wie eine Leugnung ihrer Anstrengungen. Das hat sie tief getroffen. Ich habe deutsche und französische Studierende und konnte sehen, dass die Grenzschließung etwas ist, was ihnen nahe geht.

Ist interkulturelle Begegnung am Telefon oder per Video genauso möglich wie in der persönlichen Begegnung?
Chalmel: Ich denke schon. Ich selbst organisiere mit meinen Studierenden Videokonferenzen zu den Fragestellungen rund um die Interkulturalität, gerade auch in Hinblick auf die Entstehung der zukünftigen „Collectivité européenne d’Alsace“. Auch im Forschungsbereich haben wir entsprechende Hilfsmittel einrichten können.

Wie wirkt sich die Krise auf die interkulturelle Zusammenarbeit aus?
Chalmel: Ich glaube in diesem Zusammenhang ist der aktuelle Augenblick ganz entscheidend. Wenn wir nicht in der Lage sind, die Situation zu wenden und eine Forschungsgemeinschaft, die Forschende von beiden Seiten des Rheins umfasst, wiederherzustellen, werden wir die Ergebnisse von mehreren Jahren Arbeit verlieren. Die Grenzöffnung muss zu den prioritären Themen gehören. Alle Studierenden und Lehrenden, die sich mit interkulturellen Fragestellungen befassen, müssen sich jetzt schnell mobilisieren. Der Moment ist ganz essentiell. Wir laufen Gefahr um viele Jahre zurückgeworfen zu werden.