Moritz Faist studiert Vergleichende Geschichte der Neuzeit an der Universität Freiburg. Der 25-Jährige nutzt die Eucor-Mobilität und besucht Kurse zur Schweizer Europapolitik und zur Geschichte der europäischen Integration sowie einen Dänisch-Kurs an der Universität Basel. Wir haben mit ihm über seine Erfahrungen als studentischer Grenzgänger gesprochen.

Herr Faist, was war Ihre Motivation, mit Eucor nach Basel zu gehen?
Moritz Faist: Ich hatte letztes Semester eine spannende Übung zur transnationalen Geschichte der Schweiz. Das ist ein ganz neues Forschungsfeld, wo man sich die Schweiz nicht nur als Igel vorstellt, möglichst abgeschottet nach außen, sondern die Verflechtungen untersucht, die die Schweiz seit ihrer Gründung nach außen hat. Da kam ich zum ersten Mal in Kontakt mit der Schweiz. Veranstaltungen zur Schweizer Geschichte oder generell mit einem schweizerischen Bezug gibt es so gut wie gar nicht in Freiburg, obwohl das doch eigentlich sehr nahe liegt. Außerdem wollte ich gerne Auslandserfahrungen sammeln. Da ich Anfang des Jahres umgezogen bin, hatte ich die Bewerbungsfrist für Erasmus um zwei Tage verpasst. Und weil die Erasmus-Anmeldung leider ja nur einmal pro Jahr für beide Semester möglich ist, ging das dann nicht mehr. Ich bin dann auf Eucor aufmerksam geworden und dachte, das kann man ja mal ausprobieren. Spannend war für mich vor allem auch die Möglichkeit, es mit meinem wissenschaftlichen Interesse an der Schweiz zusammenzubringen.

Sie fahren jeden Dienstag und Mittwoch nach Basel. Wie erleben Sie Ihren wöchentlichen Wechsel an eine andere Universität?
Es ist immer spannend, eine Hochschule in einem anderen Land von innen kennenzulernen, auch in einem vermeintlich sehr ähnlichen Land wie der Schweiz. Es laufen doch ein paar Sachen anders. Die Unterschiede sind aber eher subtil, nicht so offensichtlich. Ich denke, im Zwischenmenschlichen sind Schweizer reservierter als Deutsche. Gleichzeitig ist im Kurs aber die Diskussionskultur stärker, als ich es kannte, es gibt viel Interaktion. In Deutschland ist viel bereits gestellt: man kriegt am Anfang des Semesters die ganze Literatur, auf der E-Learning-Plattform sind immer schon die ersten Texte. Und in meinem Seminar in Basel war einfach gar nichts, ganz tabula-rasa-mäßig.

Auf Ihrem Twitter-Account haben Sie zu Semesterbeginn geschrieben „Und los geht das Abenteuer #Schweiz. Im 10. Semester doch noch einmal Erstsemester sein hat was.“ Wie war Ihr Start an der Universität Basel?
Wenn man nicht weiß, was auf einen zukommt, dann ist man nicht unbedingt aufgeregt, aber doch neugierig. Am Erstsemestertag war ich umgeben von einer Horde 18- und 19-Jähriger und stand dann als 25-Jähriger mittendrin. Da lässt man sich doch auch so ein bisschen von der Motivation anstecken. Am ersten Tag wollte ich in die Mensa gehen und hatte mich drauf verlassen, dass man dort wie überall in der Schweiz mittlerweile üblich, bargeldlos zahlen kann. Das geht aber nicht. Ich hatte schon mein Essen, konnte es aber nicht bezahlen. Man muss übrigens auch ziemlich stark aufs Geld gucken. Wenn man in die Mensa geht, kostet ein Essen zum Beispiel zwischen acht und elf Franken. Das sind alles so Sachen, wo man so reinstolpert, aber irgendwie läuft‘s dann. Allerdings hätte ich zwischendurch gerne auch einen Schwyzerdütsch-Kurs besucht. Wenn die so schön in ihrem Slang sind, ist es ein bisschen kompliziert alles zu verstehen, vor allem außerhalb des Seminars, wenn es nicht mehr um Fachliches geht.

Der Verbund Eucor – The European Campus möchte sich zu einer Europäischen Universität weiterentwickeln. Was halten Sie von der Initiative, und wo muss nachgebessert werden?
Ich finde es sehr gut, dass man verstärkt auf Kooperation setzt. Einerseits möchte man möglichst keine Grenzen in Europa haben, andererseits merkt man insbesondere im wissenschaftlichen Bereich doch, dass die Grenzen da sind. Es ist immer noch so ein bisschen Wagenburgdenken. Ich finde den Austausch Studierender wichtig, und Eucor sollte noch mehr genutzt werden. Es gibt ja in jedem Studiengang freie Module, interdisziplinäre Möglichkeiten. Da könnte man doch Studierenden nicht nur empfehlen, in andere Studiengänge hier an der Universität reinzuschnuppern, sondern ihnen konkret ans Herz legen, auch ins Ausland zu gehen oder Eucor zu machen. Nachbessern sollte man außerdem bei den Fahrtkosten. Eine Eucor-Option im Semesterticket fände ich toll, damit man sich nicht mehrere Tickets für jede Fahrt kaufen muss.

Unterm Strich – wie bewerten Sie Ihre Eucor-Mobilität?
Ich würde es auf jeden Fall weiterempfehlen. Es muss ja nicht immer Dublin oder Barcelona oder Istanbul sein. Man kann auch viel Neues entdecken, wenn man sich einfach nur eine Stunde in den Zug setzt. Und man hat den Vorteil, dass man gleichzeitig hier wohnen bleiben kann. Das finde ich einen sehr großen Pluspunkt. Es sind wirklich alle sehr offen und unterstützen einen sowohl hier in Freiburg als auch in Basel. Man müsste für Eucor nur noch mehr die Werbetrommel rühren: Es ist kostenlos, ihr müsst euch nur anmelden, ihr müsst es nur machen!