+++ BEWERBUNGEN MÖGLICH BIS DONNERSTAG 29. SEPTEMBER 2022 (17:00 UHR) +++

Die „Seed Money“-Förderung geht in die sechste Runde. Innovative grenzüberschreitende Projekte in Lehre sowie Forschung und Innovation am European Campus können sich auch dieses Jahr auf eine Anschubfinanzierung von bis zu 60.000 € bewerben. Förderfähig sind Projekte, an denen sich mindestens zwei Eucor-Mitgliedsuniversitäten aus zwei verschiedenen Ländern aktiv beteiligen. Darüber hinaus dürfen für die Projekte zuvor keine anderen nationalen oder internationalen Förderungen bewilligt worden sein.

Mehr Informationen finden Sie auf der Seite „Seed Money beantragen“.

+++ BEWERBUNGEN MÖGLICH BIS ZUM 1. OKTOBER 2018 (17:00 UHR) +++

Die Förderung „Seed Money“ geht in die zweite Runde. Innovative grenzüberschreitende Projekte in Forschung und Lehre innerhalb von Eucor – The European Campus können sich auf eine Anschubfinanzierung bewerben. Um diese Unterstützung zu erhalten, ist eine aktive Projektmitarbeit von Angehörigen mindestens zweier Partneruniversitäten von Eucor – The European Campus aus mindestens zwei Ländern erforderlich. Darüber hinaus darf vorher keine andere nationale oder internationale Förderung an dieses Projekt vergeben worden sein.

Mehr Informationen finden Sie auf der Seite „Seed Money beantragen“.

Zu Technik, Regulierung und Akzeptanz des Autonomen Fahrens arbeiten Studierende und Forschende der Juristischen Fakultäten der Universitäten Basel und Strasbourg sowie Ingenieure, Computerwissenschaftler und Rechtswissenschaftler des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) grenzüberschreitend und interdisziplinär zusammen. Teilnehmerin Sophie Haesen blickt auf das trinationale Seminar zurück:

Vom 28. bis 30. Mai 2018 fand das diesjährige trinationale EUCOR-Seminar zum Thema „Autonomes Fahren im Dreiländereck“ statt , an dem sich unter Federführung von Prof. Dr. Sabine Gleβ und Prof. Dr. Wolfgang Wohlers von der Universität Basel und Prof. Dr. Armin Grunwald aus Karlsruhe diesmal Studierende und Forschende der Juristischen Fakultäten der Universitäten Basel und Strasbourg und Ingenieure, Computerwissenschaftler und Rechtswissenschaftler des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) beteiligten.

In dem mehrtägigen Blockseminar begegneten sich die an den Rechtsfolgen des autonomen Fahrens in Oberrhein-Region Interessierten. Die Frage der Arbeitssprache wurde im Sinne der Schweizer règle confédéral – ganz im Sinne der länderübergreifenden Verständigung – gelöst: Jeder Teilnehmer kommunizierte in der Sprache der jeweiligen Heimatuniversität und man vertraute (zu Recht) darauf, dass die anderen verstanden.

Zu Beginn des Seminars ermöglichten die Mitarbeiter des Forschungszentrum Informatik (FZI) am KIT den auswärtigen Gästen, den aktuellen Feldversuch zum autonomen Fahren ganz aus der Nähe zu betrachten und selbst von einem autonom fahrenden Auto über den Lernparcours gefahren zu werden. Mit dieser Vorreitertechnologie auf Tuchfühlung zu sein und einmal die Sicht des Autos einzunehmen war ein grossartiges Erlebnis, für das die Basler und Strassburger den Karlsruhern herzlich danken! Der Feldversuch ist in mehrere Stufen gegliedert – zuerst trainieren die autonomen Fahrzeuge auf einer separaten Versuchsstrecke und werden dann allmählich in Strassenverkehr entlassen – selbstverständlich immer mit Sicherheitsfahrer.

Auch der Besuch im Labor des KIZ war hochinteressant, weil sich zeigte, dass sich bei den unterschiedlichen praktischen Anwendungen die rechtlichen Probleme stellen, welche die Juristen vorausgeahnt hatten: So stellt sich etwa die Frage, wie Haftung zu verteilen ist, wenn ein autonomes Fahrzeug sich selbständig in einer Parkgarage abstellt, deren Betreiber dafür extra eine Infrastruktur bereit hält. Da der Besitzer des Autos dieses mittels einer Smartphone-App zum Parken schickt, gibt es mindestens drei mögliche Verantwortliche.

Das erste Diskussionspanel – unter der fachlichen Leitung von Armin Grunwald, dem Leiter des Instituts für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) am KIT, drehte sich um die interdisziplinäre Debatte um das automatisierte Fahren. Hier spielte die Definition der verschiedenen Stufen des autonomen Fahrens und die daraus folgenden rechtlichen Konsequenzen ebenso eine Rolle wie die Berücksichtigung von Spitzenforschung und zivil- sowie strafrechtliche Haftungsfragen. Gerade die Diskussion um das „erlaubte Risiko“ führte noch einmal grundlegende Unterschiede in den verschiedenen Rechtsordnungen eindrücklich vor Augen.

Einig war man sich darin, dass es neuer Differenzierungen braucht, um adäquat die Haftung für die in das autonome Fahren involvierten Menschen zu beurteilen. Hier ergab sich Diskussionsbedarf naturgemäss aus den unterschiedlichen Perspektiven von „Programmierern“ und „Juristen“. Es zeigte sich auch, dass manche mehr und andere weniger an möglicherweise bald überholten Rollen wie „Fahrer“ und „Halter“ von Fahrzeugen festhalten wollten. Der Tag schloss mit zwei Vorträgen zu Möglichkeiten einer umfänglichen Überwachung von Verkehrsverletzungen im Strassenverkehr und „vollautomatisiertem Strafen“. Beim anschliessenden gemeinsamen Abendessen gab es also viel zu diskutieren.

Der letzte Tag begann mit einer Diskussion über die auch in der Öffentlichkeit immer wieder thematisierten „Dilemma-Situationen“, bei denen im Fall eines nicht zu vermeidenden Unfalls nicht alle Rechtsgüter – oder allgemeinverständlich formuliert – nicht alle in eine solche Situation involvierten Menschen – gerettet werden können. Die öffentliche Debatte hat sich vor allem daran entzündet, dass – wenn der Fahrer aus dem Auto verschwindet – die dann lenkenden „Algorithmen“ einen Ausweg aus dieser Situation finden und also die Handlungsalternative wählen müssen. Hier sind ethische und rechtliche Fragen eng miteinander verknüpft und eine für alle gültige Antwort wurde noch nicht gefunden. Die gesellschaftliche und rechtliche Diskussion dürfte also weitergehen. In der Diskussion wurde jedoch auch zu bedenken gegeben, dass diese Fälle zwar spektakulär sein mögen, die oft eher trocken anmutende juristische Diskussion der bereits am Vortag behandelten Themen jedoch weitaus grundlegender für die Zukunft des automatisierten Fahrens sein dürfte.

Das letzte Panel des Seminars behandelte Fragen rund um die Blockchain-Technologie, also kryptografisch abgesicherte Verkettungen von Datenbankenblöcken, die unter anderem Datenmanipulation verhindern soll und dadurch auch für Beweiserhebung interessant sein könnte. Das Seminar endete mit einem Dank an die Gastgeber in Karlsruhe – und auch auf der Rückreise (mit der Deutschen Bahn) wurde weiter über die Chancen und Gefahren selbstfahrender Autos diskutieret.

Wie schon in den Vorjahren war das tri-nationale Eucor – The European Campus Seminar für alle Teilnehmer sehr bereichernd. Das gilt nicht nur für den Lerneffekt durch die vorbereitenden Treffen, in denen man sich sukzessive in die jeweiligen Themen einarbeitet, sondern vor allem durch die Möglichkeit des interdisziplinären Austausch über die Grenzen hinweg. Herzlichen Dank allen, die mitgeholfen haben, den hochkarätigen Moderatoren der verschiedenen Panels und nicht zuletzt den Organisatoren!

Sophie Haesen

Das Projekt „Zusammenführung und Internationalisierung des mediävistischen Lehrangebots von Strasbourg, Freiburg und Basel“ basiert auf einer bestehenden Zusammenarbeit zwischen dem Master of Interdisciplinary Medieval Studies in Strasbourg und dem Mittelalterzentrum in Freiburg. „Ich habe vorgeschlagen, ein Projekt zu gründen, indem ich Basel, Sitz vieler mittelalterliche Forscher mit einbeziehe“, sagt Isabel Iribarren. Sie ist Professorin für mittelalterliche Geschichte und Philosophie an der Fakultät für Katholische Theologie der Université de Strasbourg und Projektleiterin.

Ziel ist es, durch gemeinsame Lehrangebote eine enge Verbindung zwischen den bestehenden Programmen herzustellen und gemeinsame Seminare zu organisieren, damit die Studierenden von der Interdisziplinarität profitieren und ihre Sprachkenntnisse vertiefen können. Ein Teil der 30.000 Euro, die über Seed Money eingeworben wurden, ist für die Rekrutierung von Studierenden als Tutorinnen und Tutoren für Sprachkurse. Außerdem wird ein Projektkoordinator für die Organisation und Logistik der Veranstaltungen eingestellt.

„Diese Finanzierung ist ein erster Startschuss, um den Boden zu bereiten und etwas Ehrgeizigeres auf den Weg zu bringen. Unser Ziel ist es, den Austausch zu festigen und zu verstetigen und die geografische Lage von Strasbourg und die rheinischen Werte des European Campus zu nutzen, um ein rheinisches Zentrum für Mittelalterforschung zu schaffen.“

Mehr Informationen zum Projekt „Zusammenführung und Internationalisierung des mediävistischen Lehrangebots von Strasbourg, Freiburg und Basel“

Die Landesregierung Baden-Württembergs will den Universitätsverbund Eucor – The European Campus zu einer europäischen Universität weiterentwickeln. Prof. Dr. Hans-Jochen Schiewer, Präsident von Eucor – The European Campus und Rektor der Universität Freiburg, erklärt im Interview, warum er sich für diese gemeinsame Zukunftsperspektive der Universitäten am Oberrhein einsetzt.

Herr Schiewer, wie kommt es, dass Eucor – The European Campus aktuell so viel Aufmerksamkeit und Zuspruch aus Politik und Wissenschaft erhält?
Hans-Jochen Schiewer: Der französische Staatspräsident Emmanuel Macron hat in seiner Sorbonne-Rede vom September 2017 die europäische Idee eng mit dem Konzept Europäischer Universitäten verbunden. Damit hat er eine neue Begeisterung für das europäische Projekt ausgelöst, das zuvor durch den britischen Volksentscheid für den Austritt aus der Europäischen Union einen deutlichen Rückschlag erlitten hatte. In der Region am Oberrhein beobachten wir schon lange, dass die Wissenschaft das Zugpferd der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit ist. Daher hat auch die Politik die Idee der Europäischen Universität sofort mit Eucor – The European Campus verknüpft und den Verbund als Modell identifiziert. Wir haben damit eine einmalige historische Chance, die europäische Idee wiederzubeleben: Wenn wir unseren Studierenden, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Chance eröffnen, Europa als alltägliche Erfahrung zu erleben, ist das eine wunderbare Möglichkeit, um den europäischen Gedanken zu stärken.

Warum ist ein Verbund aus Ihrer Sicht das angemessene Modell, wenn es darum geht, die Idee der Europäischen Universität umzusetzen?
Es wäre verwegen zu glauben, dass Universitäten aus mehreren Mitgliedsstaaten oder assoziierten Staaten der Europäischen Union innerhalb kürzester Zeit in der Lage wären zu fusionieren. Deshalb muss die Europäische Universität zunächst als Verbund von vier bis fünf Universitäten gedacht werden. Sie sollten regional und thematisch zusammenpassen, sich aber auch klar dafür entscheiden, in besonderer Weise miteinander zu kooperieren. Das heißt: Sie benötigen eine eigene Strategie, Governance und Rechtsform, um glaubwürdig als Europäische Universität antreten zu können. In der langfristigen Vision können wir uns vorstellen, dass diese Universitäten über die Jahrzehnte hinweg so eng zusammenwachsen, dass man sie als eine Institution wahrnimmt.

Und dieser Verbund sollte sich nicht inhaltlich oder strukturell beschränken, sondern die Universitäten in ihrer Gesamtheit umfassen?
Eine Universität zeichnet sich dadurch aus, dass sie aus drei wesentlichen Komponenten besteht: Lehre, Forschung und Innovation. Deshalb ist es grundlegend wichtig, eine Europäische Universität über alle drei Leistungsdimensionen zu fördern und auf den Weg zu bringen. Alles andere wäre keine neue Qualität.

Wie weit sind die Universitäten am Oberrhein – Basel, Mulhouse, Strasbourg, Freiburg und das Karlsruher Institut für Technologie – auf ihrem gemeinsamen Weg schon vorangeschritten?
Wir haben schon 2012 die Idee ins Auge gefasst, uns zu einer Europäischen Universität zu entwickeln. Darin haben wir eine große Chance gesehen, unsere weltweit führenden Positionen in vielen Forschungsfeldern zusammenzubringen, unsere Kompetenzen wechselseitig zu ergänzen und unsere gemeinsame Stärke zum Ausdruck zu bringen. Deshalb haben wir beschlossen, uns eine gemeinsame Rechtsform zu geben: Wir haben 2015 den ersten allein von Universitäten getragenen Europäischen Verbund für territoriale Zusammenarbeit, kurz EVTZ, gegründet. Das gibt uns nun die Möglichkeit, gemeinsam in Deutschland, Frankreich, der Schweiz und bei der Europäischen Union Fördermittel für Forschung und Lehre zu beantragen. Jetzt sind wir natürlich sehr glücklich, dass diese Idee, die uns in der Region beflügelt hat, aufgegriffen worden ist und zur Plattform für das europäische Projekt wird – wir sehen darin eine Bestätigung unseres Kurses.

An welchen Beispielen zeigt sich die besondere Qualität der Zusammenarbeit schon heute?
Unserer Strategie ist, in Forschung und Lehre Bereiche zu identifizieren, in denen wir aus der Zusammenarbeit einen Mehrwert ziehen. Ein Beispiel aus der Forschung ist die Quantenphysik und Quantentechnologie: Keine der Mitgliedsuniversitäten von Eucor – The European Campus hat auf diesem Gebiet allein eine kritische Masse erreicht, aber im Verbund sind wir einer der stärksten Standorte in Europa. Wir haben ein gemeinsames Projekt aufgesetzt und innerhalb eines Jahres erreicht, dass uns die Endress & Hauser Stiftung mit zehn Millionen Schweizer Franken fördert. Das zeigt, dass wir mit klaren strategischen Entscheidungen und Mehrwerten sofort überzeugen. In der Lehre kooperieren wir schon lange: Wer an einer der fünf Mitgliedsuniversität immatrikuliert ist, kann Seminare und Vorlesungen am gesamten European Campus besuchen und überall die Bibliotheken nutzen. Zudem haben wir bi- oder trinationale Studiengänge eingerichtet, die oft mit Doppelabschlüssen an zwei oder drei Mitgliedsuniversitäten beendet werden. Dennoch gibt es noch große Herausforderungen – beispielsweise benötigen wir ein Semesterticket für den European Campus, um die Mobilität der Studierenden zu erhöhen und zu erleichtern.

Welches Profil will der European Campus in den kommenden Jahren entwickeln?
Wir haben uns klare Ziele gesetzt: Unsere strategischen Stabsstellen, International Offices und Service Center Studium werden Synergien entwickeln, und wir wollen unsere Studienordnungen, Lehrpläne und Studienleistungen harmonisieren. Auch für den Technologietransfer können wir uns vorstellen, gemeinsame Strukturen aufzubauen. In der Forschung haben wir ein wegweisendes Projekt, in dem wir die Infrastrukturen an allen fünf Universitäten beschreiben, auf dieser Basis ein gegenseitiges Nutzungskonzept beschließen und unsere Infrastrukturen an den einzelnen Standorten so weiterentwickeln, dass wir uns wechselseitig ergänzen.

Was kann ein solches Vorhaben zur Herausbildung einer europäischen Identität beitragen?
Aus meiner Sicht ist die besondere Qualität in der Region dadurch gegeben, dass der Oberrhein ein kleines Europa ist. Wir können hier unmittelbar in ganz andere Kulturräume und Denkweisen eintauchen, sodass Europa in seiner Vielfalt erlebbar wird. Auf dieser Grundlage wollen wir junge Führungskräfte ausbilden, die Europa als Basis ihres Denkens sehen – und ihre Identität nicht mehr allein über das Land oder die Region ihrer Herkunft definieren.

Pressemitteilung des Staatsministeriums Baden-Württemberg