Neuer Aufbaustudiengang zwischen Freiburg und Strasbourg.

Theologische Forschung ins Studium integrieren – das ist Kern des neuen „Lizentiatsstudienganges Katholische Theologie“, der zum Wintersemester 2021/2022 an den Universitäten Freiburg und Strasbourg startet.

„Der Studiengang macht den globalen Denkhorizont sehr konkret über Professuren, Studieninhalte und international vielfältige Studierende erfahrbar“, sagt Prof. Dr. Mirjam Schambeck, Franziskanerin und Studiendekanin der Theologischen Fakultät der Universität Freiburg. Durch die Verbindungen besonders der Université de Strasbourg zu afrikanischen Hochschulen ist der Studiengang international ausgerichtet und eröffnet den Studierenden die Möglichkeit, Theologie im globalen Horizont kennenzulernen und zu vertiefen.

„Das kanonische Lizentiat ist eine Besonderheit der katholischen Theologie und ermöglicht es, sich nach einem abgeschlossenen Studium tiefer mit theologischer Forschung zu befassen.“ sagt Prof. Dr. Philippe Vallin, Direktor für das „Diplôme Supérieur de Théologie Catholique (DSTC)“ an der Université de Strasbourg. Der Abschluss befähigt zur Lehrtätigkeit in einem Priesterseminar oder oder in einer gleichwertigen Ausbildungsstätte und dient zudem der Vorbereitung einer Promotion.

Den Studierenden werden spezielle theologische Kenntnisse und Kompetenzen vermittelt, wobei die individuelle Schwerpunktsetzung bei der eigenen Forschungsleistung besondere Berücksichtigung findet. Sie können zwischen den Spezialisierungen Biblische Wissenschaften, Kirchengeschichte, Systematische Theologie, Ethik und Praktische Theologie wählen.

Die Studierenden beginnen ihr grenzüberschreitendes Aufbaustudium an ihrer jeweiligen Heimatuniversität und wählen zwischen zwei Mobilitätsvarianten: Entweder sie wechseln ab dem dritten Fachsemester an die Partneruniversität oder sie verbringen ausschließlich das dritte Fachsemester (für die Studierenden der Universität Freiburg) bzw. das zweite Fachsemester (für die Studierenden der Université de Strasbourg) an der Partnereinrichtung.

Die Unterrichtssprachen sind Deutsch, Französisch und Englisch. Zulassungsvoraussetzung für den Aufbaustudiengang ist unter anderem ein abgeschlossenes theologisches Hochschulstudium. Bewerbungen auf deutscher Seite können für das Wintersemester 2021/22 noch bis zum 15. September 2021 eingereicht werden.

Weitere Informationen auf den Websites der Universität Freiburg und der Université de Strasbourg.

Gemeinsame Stärken nutzen und Kompetenzen bündeln – das ist Ziel der vier Schwerpunktbereiche von Eucor – The European Campus. Hier kooperieren die Mitgliedsuniversitäten verstärkt. Einer der vier thematischen Bereiche ist „Sustainability“.

Der Titel „Sustainability“ des Eucor-Schwerpunktes ist nicht bescheiden. Breit angelegt zielt er auf inter- und multidisziplinäre Zusammenarbeit der Eucor-Universitäten zu Fragen der nachhaltigen Entwicklung. „Das Nachhaltigkeitsverständnis des Eucor-Schwerpunktes beruht auf der ‚Agenda 2030 für Nachhaltige Entwicklung‘ der Vereinten Nationen“, sagt Sofia Ganter. Sie arbeitet in der Strategieabteilung der Universität Freiburg und ist Ansprechpartnerin für den Eucor-Schwerpunkt, der dort koordiniert wird. „Es geht um mehr als gemeinsame Forschungsaktivitäten zu ökologischen Aspekten. Die Ziele der Agenda 2030 nehmen ökologische, soziale und wirtschaftliche Fragen in den Blick.“

Sofia Ganter hat neben den klassischen Handlungsfeldern der Universitäten – Forschung, Lehre und Transfer – auch die Bereiche Infrastruktur, Governance und gesellschaftliches Engagement auf Potenzial für grenzüberschreitende Zusammenarbeit untersucht. „Gerade im Bereich Engagement unterscheidet sich Sustainability von den anderen Eucor-Schwerpunkten. Wir haben breite studentische Bewegungen, die sich mit diesem Zukunftsthema beschäftigen. Hier stellt sich die Frage der Vernetzung und wie wir sie in bestehende und zukünftige Formate einbinden können.“

Grundlage für die Festlegung der Schwerpunkte im Eucor-Strategieplan 2019-2023 war eine Potenzial- und Standortanalyse. Diese hat deutlich gezeigt, dass Sustainability an allen fünf Mitgliedsuniversitäten des Eucor-Verbundes zentrales Thema ist. In der Forschung bestehen bereits zahlreiche Kooperationsprojekte, die vom „Upper Rhine Cluster for Sustainability Research“ gebündelt werden. Hier geht es beispielsweise um regionale Energieversorgung (RES-TMO), nachhaltige Mobilität (SuMo-Rhine) oder Biozideinträge im Grundwasser (NAVEBGO).

Seit Ende des Jahre 2020 arbeitet Sofia Ganter zum Eucor-Schwerpunkt. Die erste Phase war der Analyse gewidmet, jetzt startet die konkrete Vernetzung. Im Bereich Transfer wurde bereits auf dem Freiburger Wissenschaftsmarkt der Schwerpunktbereich einem breiten gesellschaftlichen Publikum nähergebracht. Für die Lehre plant Sofia Ganter gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus den anderen Eucor-Universitäten den Piloten eines Nachhaltigkeitszertifikats, das Studierende erlangen können, wenn sie sich während ihres Studiums mit Themen der nachhaltigen Entwicklung auch außerhalb ihres Studienplanes beschäftigen. „Um weitere Forschungskooperationen zu initiieren, planen wir im November einen Exploratory Workshop, der interessierte Forscherinnen und Forscher aus allen Mitgliedsuniversitäten zusammenbringen soll. Wir haben gesehen, dass die umfangreiche Regional- und Stadtforschung an den Eucor-Universitäten noch nicht hinreichend verknüpft ist und haben daher den Arbeitstitel ‚Transformative Cities‘ für unseren Workshop gewählt“, erläutert sie. Weitere Ideen: Ein Science Slam zum Schwerpunktthema sowie ein „Sustainability Forum“, das als Rat oder Arbeitsgruppe verschiedene Mitglieder der Eucor-Universitäten vereinen und die Schwerpunktgestaltung begleiten soll.

Sofia Ganter freut sich auf die anstehenden Aufgaben: „Ich möchte nicht nur Konzepte schreiben und Recherche betreiben, auch wenn das spannend ist. Ich möchte was machen. Es gibt bei diesem Thema so viele motivierte Personen im Eucor-Raum und wir können viel voneinander lernen und Mehrwerte schaffen.“

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Pedro Lopes steht kurz vor dem Abschluss seines Studiums der Biowissenschaften in Strasbourg. Für ein Praktikum in einem zellbiologischen Labor fährt er jeden Tag nach Freiburg im Breisgau. Wir haben ihn getroffen und über seine Mobilität im Rahmen von Eucor – The European Campus gesprochen.

Herr Lopes, warum machen Sie Ihr Praktikum in Freiburg?
Lopes: Ich wollte während meines Studiums eine Auslandserfahrung machen. In Frankreich zu sein ist für mich zwar schon eine internationale Erfahrung, weil ich ursprünglich aus Brasilien komme. Aber ich wollte eine weitere Auslandserfahrung machen und auch die Möglichkeit haben, auf Englisch zu arbeiten. Ich denke, dass das in der wissenschaftlichen Welt unerlässlich ist. In meiner Fakultät, der „Faculté des sciences de la vie“ in Strasbourg, organisiert Joern Pütz zusammen mit einem Professor von der Universität Freiburg, Winfried Römer, jährlich eine Vorlesung auf Englisch. Mit ihm kam ich in Kontakt und heute mache ich mein Praktikum in seinem Labor. Ich habe Freiburg wegen der Nähe zu Strasbourg gewählt. Ich wohne in Strasbourg und pendle jeden Tag, was für mich sehr praktisch ist. Ich kann die Angebote in der Stadt Freiburg nutzen, hier etwas mit meinen Freunden unternehmen, aber ich kann trotzdem nach Hause gehen, in meiner Wohnung bleiben und mich zu Hause fühlen.

Hat die Corona-Pandemie Ihre Entscheidung zur Mobilität beeinflusst?
Vor allem wegen Corona war es mein Ziel, ein Praktikum zu machen. Ich wollte nicht noch ein Semester in Distanzlehre sein, sondern vielmehr eine praktische Erfahrung machen. Ich wollte auch eine Bachelorarbeit schreiben. Das ist in Frankreich nicht üblich, in Deutschland aber schon. So verbinde ich meine Auslandserfahrung mit meiner ersten richtigen wissenschaftlichen Arbeit.

Woran genau arbeiten Sie im Labor?
Ich arbeite in einem zellbiologischen Labor, wo wir verschiedene Zelltypen untersuchen. Wir haben ein gemeinsames Thema, nämlich das Molekül „Gb3“. Ich beschäftige mich mit einer sehr seltenen genetischen Krankheit, der Fabry-Krankheit. Bei dieser Krankheit reichert sich dieses Molekül, das wir untersuchen, im Körper und in den Zellen an. Das führt zu Pathologien und Dysfunktionen im Körper. Ich untersuche daher die Anhäufung dieses Moleküls in der Zelle und wie es die Zellzusammensetzung, die Zellstruktur und andere Aspekte verändert.

Unterm Strich – wie bewerten Sie Ihre Eucor-Mobilität?
Eucor-Mobilität – das ist eine Stunde Fahrt und die Kultur ändert sich komplett, die Menschen ändern sich, die Sprache ändert sich, sogar die Atmosphäre im Labor ist in Frankreich und in Deutschland sehr anders. Es ist super hier, es ist super dort: Ich glaube nicht, dass Eines besser ist als das Andere. Die Menschen wollen weit weg, aber ich denke, dass es manchmal auch interessant ist, das kennen zu lernen, was nah dran ist. Das ist meine Art, die Region zu entdecken. Zu Hause bleiben und ein Praktikum in einem anderen Land machen, das ist nur hier möglich.

Eucor – The European Campus arbeitet in verschiedenen Schwerpunktbereichen verstärkt zusammen. Einer davon ist der Schwerpunkt Personalised Health – Precision Medicine. Christophe Schneble ist Projektmanager Personalised Health an der Universität Basel und Ansprechpartner für den Eucor-Schwerpunkt.

Herr Schneble, was bedeutet Personalised Health?
Schneble: Die personalisierte Medizin umfasst diagnostische, präventive und therapeutische Maßnahmen, die auf ein Individuum optimal zugeschnitten sind, möglichst optimal wirken und geringstmögliche Nebenwirkungen für jeden individuellen Patienten haben. Im Fokus stehen aber nicht nur Patientinnen und Patienten, sondern auch gesunde Personen und somit auch der Aspekt der Prävention. „Gesundheitsdaten“ spielen in der personalisierten Medizin eine wichtige Rolle und reichen von herkömmlichen Untersuchungsdaten (z.B. Blutdruck, Laborwerte, Elektrokardiogramm, Röntgenaufnahmen), über Angaben zum gesundheitlichen Befinden bis zu Sensordaten und Daten aus dem Lebensumfeld (z.B. Luft- und Wasserqualität, Passivrauch, Exposition gegenüber Noxen).

Was ist der Vorteil in diesem Bereich grenzüberschreitend zusammenzuarbeiten?
Die heutigen Herausforderungen bedürfen vermehrter Kooperation. Die Covid-Pandemie hat es deutlich gezeigt: Wenn wir schnell handeln wollen, wenn wir Kapazitäten ausnutzen und Ressourcen optimieren wollen, ist die Zusammenarbeit zwischen den Ländern in der Medizin extrem wichtig. Und sie wird es immer mehr, wenn wir die Demographie berücksichtigen und den damit verbundenen steigenden Pflegeaufwand. Die Pandemie hat auch gezeigt, dass internationale Zusammenarbeit in der Forschung schnell und schlagfertig reagieren kann. Am Oberrhein haben wir im Gesundheitsbereich ein einmaliges Ökosystem: Die Life Sciences sind an den Eucor-Universitäten durchweg sehr stark, wir haben drei Universitätsspitäler und vielfach bestehende Forschungskooperationen wie beispielsweise die Upper Rhine Immunology group, die oftmals bottom-up also von den Forschenden initiiert werden. Zudem steht mit dem Eucor-Seed-Money ein gutes Instrument zu Verfügung um solche grenzüberschreitenden Kooperationen auch aktiv zu fördern.

Sie sind seit Mai Ansprechpartner für den Schwerpunktbereich. Was sind die ersten Vorhaben?
Ich arbeite aktuell intensiv an einem Projekt mit dem Namen „Clinnova“, das eine ursprünglich luxemburgische Initiative ist. Darin geht es um eine europäische „Health Data Cloud“. Im Bereich der Gesundheitsdaten lancieren auch große internationale Player wie beispielsweise Google verschiedene Initiativen. Im europäischen Umfeld haben wir aber ethisch und rechtlich andere Voraussetzungen als in den USA. Es braucht also eine europäische Lösung, die den Fokus auf gute ethische Standards bei der Datenverarbeitung setzt. Im konkreten Fall geht es neben Forschungsdaten auch um Patientendaten, die aus der Klink in die Forschung gehen. Die Forschenden analysieren diese, auch mittels künstlicher Intelligenz und bringen dann die Erkenntnisse schnell wieder in die Klinik und an den Patienten. Medikamente, Therapien oder Alltagshilfen sollen somit schnell und bestmöglich auf den Patienten zugeschnitten den Kliniken zur Verfügung stehen. Am Projekt sind die deutschen und französischen Eucor-Universitäten bereits über die Region Grand Est und Baden-Württemberg beteiligt, eine Basler Beteiligung soll bald folgen.

Zur Person:
Christophe Olivier Schneble hat zu rechtlichen und ethischen Herausforderung im Umgang mit Big Data doktoriert. Vor seinem Doktorat hat er lange als Software-Entwickler im Gesundheitssektor gearbeitet und war Geschäftsführer des Department Erdwissenschaften der ETH-Zürich wo er auch Mitglied der Strategiekommission war. Seit dem 1. Mai 2021 ist er Projektmanager Personalised Health an der Universität Basel und betreut den Eucor-Schwerpunkt. Als französisch-deutscher Muttersprachler liegt ihm die Zusammenarbeit im Oberrheingebiet sehr am Herzen.

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Forschende und Lehrende der fünf Eucor-Universitäten können sich erneut für die Förderung bewerben – ein Beispiel aus der Lehre.

Die Freiburger Althistorikerin Prof. Dr. Sitta von Reden leitete das Lehrprojekt „Connecting – Editing – Programming – Learning (CEPL): sowing the seeds for joint teaching and research in digital papyrology, philology and ancient history in the European Campus“. Studierende aus Freiburg, Strasbourg und Basel wurden darin in der zur Projektlaufzeit noch innovativen Form der digitalen Lehre an das Lesen, Bearbeiten und digitalen Veröffentlichen von griechischen Papyri aus dem antiken Ägypten herangeführt. Das Projekt hat Eucor – The European Campus mit Seed Money in der Förderlinie „Lehre“ unterstützt. Sarah Nieber hat mit Frau von Reden über ihr Projekt gesprochen.

Frau von Reden, wieso haben Sie das Projekt grenzüberschreitend angelegt?
Sitta von Reden: Wir haben in Freiburg eine eigene Papyrussammlung, von der nach ihrer Auslagerung beim Umbau der Universitätsbibliothek lange niemand mehr wusste, wo sie eigentlich ist. Als sie in einem Nebenraum des Atombunkers unter dem KG II gut verpackt gefunden wurde, war schnell klar, dass diese wenn auch kleine Sammlung noch viel Potenzial für die Forschung und Lehre hat. Es gibt hier am Oberrhein eine exzellente Forschungslandschaft für die Papyrologie und Geschichte des antiken Ägyptens. So kam rasch der Kontakt zu meinem Kollegen an der Université de Strasbourg, Prof. Paul Heilporn, zustande. Er ist ein Spezialist der Papyrologie und Leiter des dortigen Instituts für Papyrologie. Er schaute sich die Freiburger Sammlung mit großem Interesse an. Schnell war klar, dass wir damit ein grenzüberschreitendes Lehrprojekt initiieren sollten. Die Basler Expertise im Bereich der Digitalisierung von historischen Handschriften wollten wir integrieren und haben uns sehr über die Beteiligung von Prof. Sabine Hübner von der Universität Basel gefreut. Gemeinsam beantragten wir Seed Money von Eucor – The European Campus.

Wie setzen Sie das Geld ein?
Mit dem Geld konnten wir einen wissenschaftlichen Koordinator, Dr. François Gerardin von der Yale University, einstellen. Er realisierte das hybride Lehrformat mit vielen Fachleuten aus aller Welt: ein Drittel des Semesters wurde durch Präsenzlehre (noch vor der Pandemie) und Projektarbeit gestaltet, zwei Drittel fanden als Webinar statt. So konnten wir die unterschiedlichen Semesterzeiten an den Eucor-Universitäten bestens mit unterschiedlichen Lehrinhalten füllen. Die prüfungsrelevanten Arbeiten haben die Studierenden jeweils vor Ort verfasst. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben eines der papyrologischen Fragmente wissenschaftlich ediert und anschließend bei einer Zeitschrift zur digitalen Veröffentlichung eingereicht.

Wie geht es nach der Seed-Money-Förderung weiter?
Rückblickend kann ich das Seminar nur so bewerten: wenig Aufwand im Antragsprozess, viel Freude bei der Arbeit und viel Erfolg! Wir möchten das Projekt auf jeden Fall wiederholen und weiterentwickeln. Aus Freiburger Sicht haben wir einen sehr guten Kenntnisgewinn in unsere papyrologische Sammlung erzielt, von dem nun auch alle Studierenden der historischen Proseminare in Tutoraten profitieren können. Und zu guter Letzt haben wir viel Erfahrung mit digitaler Lehre schon vor der Pandemie gesammelt. Gerade in sehr kleinen Spartenfächern ist die Zusammenarbeit über Universitäten hinaus eine wichtige Perspektive.

Lehrende und Forschende aus den Mitgliedsuniversitäten von Eucor – The European Campus können sich bis zum 30. September 2021 erneut auf Seed Money bewerben. Voraussetzung ist, dass mindestens zwei Universitäten aus zwei Ländern an einem Projekt beteiligt sind. Ziel ist die Anschubfinanzierung von neuen Projekten, die die Entwicklung von Eucor – The European Campus und die wissenschaftliche Vernetzung weiter voranbringen. Entsprechende Anträge können sowohl für die Förderlinie „Lehre“ als auch für die Förderlinie „Forschung und Innovation“ eingereicht werden. Insgesamt stehen 300.000 Euro zur Verfügung. Die Förderhöchstsumme für ein Projekt liegt bei 60.000 Euro, die maximale Laufzeit liegt bei 24 Monate.
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Gemeinsam mit ihrem Stellvertreter Thomas Hirth steht die Basler Rektorin drei Jahre dem trinationalen Universitätsverbund vor.

Am 9. Juni 2021 hat die Versammlung der Leitungen der Mitgliedsuniversitäten von Eucor – The European Campus Prof. Dr. Dr. h.c. Andrea Schenker-Wicki, Rektorin der Universität Basel, zur Präsidentin von Eucor – The European Campus gewählt. Zur ihrer Stellvertretung wurde Prof. Dr. Thomas Hirth, Vizepräsident für Innovation und Internationales des Karlsruher Instituts für Technologie, gewählt. Die Amtszeit beträgt satzungsgemäß drei Jahre.

Andrea Schenker-Wicki ist seit Mai 2016 stellvertretende Präsidentin von Eucor – The European Campus und hat die Präsidentschaft interimsmäßig seit dem Ausscheiden von Prof. Dr. Dr. h.c. Hans-Jochen Schiewer im Oktober 2020 übernommen. In ihrer Amtszeit will sie den Verbund durch konkrete Projekte stärken: „Die Universitäten am Oberrhein verfügen über große Potenziale, die wir im Verbund weiter nutzen möchten. Das gilt insbesondere für unseren Schwerpunktbereich Personalised Health, in dem wir gemeinsam einen dynamischen und international vernetzten Forschungs- und Innovationscluster aufbauen möchten.“

Nach ihrem Studium an der ETH Zürich und der Universität Zürich sowie der Promotion an der Universität Freiburg (Schweiz) habilitierte Schenker-Wicki 1996 an der Universität St. Gallen. An der Universität Zürich war sie von 2001 bis 2015 Professorin für Betriebswirtschaftslehre und von 2012 bis 2014 Prorektorin Rechts- und Wirtschaftswissenschaften. Seit August 2015 ist sie Rektorin der Universität Basel.

Thomas Hirth ist seit 2016 Mitglied in den Gremien von Eucor – The European Campus. Seinen Fokus möchte er auf die grenzüberschreitende Förderung von Innovation und Transfer setzen: „In der Zusammenarbeit von Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft liegt der Schlüssel, um den Eucor-Verbund im Rahmen der Trinationalen Metropolregion Oberrhein (TMO) noch innovativer, nachhaltiger und wettbewerbsfähiger zu gestalten.“

An der damaligen Universität Karlsruhe (heute KIT) studierte und promovierte Hirth in der Chemie. 2007 übernahm er die Leitung des Fraunhofer-Instituts für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB in Stuttgart. An der Universität Stuttgart hatte er von 2008 bis 2016 eine Professur inne und war von 2012 bis 2015 Prodekan der Fakultät für Energie-, Verfahrens- und Biotechnik. Im Januar 2016 trat Hirth sein Amt als Vizepräsident für Innovation und Internationales am Karlsruher Institut für Technologie an.

Für Daniel Miller begann alles mit seiner Zuneigung zur reinen Mathematik und insbesondere zur linearen Algebra. Dass er sich der Quanteninformationstheorie zuwandte, war eine logische Konsequenz, denn im Gegensatz zu anderen Bereichen der theoretischen Physik ist diese stark von der linearen Algebra geprägt und nicht von der Analysis oder anderen mathematischen Teildisziplinen.

Schon früh begann Miller seinen Weg in die Quanteninformationstheorie. Noch während er sein Studium der Physik und Mathematik an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf absolvierte, war er bereits Co-Autor von fünf wissenschaftlichen Publikationen. Damals ahnte er noch nicht, dass dieser Weg ihn direkt an einen der spannendsten Orte der industriellen Quanteninformationsforschung führen würde – mit greifbaren Ergebnissen, die weit über das Forschungslabor hinausgehen. Heute arbeitet Miller bei IBM Research an der Zukunft der Informatik, bei der Quantencomputer ein zentraler Grundbaustein sind.

In seinen Veröffentlichungen als Student untersuchte Miller Technologien wie Quantenrepeater, die beim Aufbau eines zukünftigen Quanteninternets helfen könnten, indem sie den Verlust von Lichtquanten (Photonen) über große Entfernungen in Quantennetzwerken kompensieren. Er beschäftigte sich auch mit dem wichtigen Thema der Quantenfehlerkorrektur – einer Voraussetzung für das langfristige Ziel, einen brauchbaren universellen Quantencomputer zu bauen. Millers Forschungen zur Quantenfehlerkorrektur sind bereits in die erste Demonstration eines vollständigen Quantenfehlerkorrekturcodes eingeflossen. Und er wagte sich sogar auf das Gebiet der Quantenkryptographie, die sich mit der Verwendung von Photonen zur Absicherung von Kommunikation beschäftigt.

Nach seinen beiden Masterabschlüssen war Miller auf der Suche nach inspirierenden Promotionsprojekten. Und er fand schnell eine gute Entsprechung für seine Interessen und Fähigkeiten in der Quantentechnologie-Gruppe im IBM Research Europe Labor in Rüschlikon bei Zürich. Seine Stelle ist Teil des QUSTEC-Programms, das junge Quantenwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler an den Universitäten Basel, Freiburg, Strasbourg sowie am Karlsruher Institut für Technologie, dem Walther-Meißner-Instituts bei München und von IBM Research miteinander verbindet.

„IBM Research ist in der Community hoch angesehen. Mit meinem Hintergrundwissen in der Quanteninformationstheorie ist IBM Research in Zürich zweifellos für mich der beste Ort in Europa, um zu promovieren. Ich hoffe, in den nächsten vier Jahren meine Expertise auf die Quantenchemie und die Physik von Hole-Spin-Qubits in Silizium-Quantenpunkten ausweiten zu können“, sagt Miller.

Mit seinem Einstieg in die Quantenchemie freut sich Miller, zur Lösung einiger der größten Herausforderungen für Quantenalgorithmen beizutragen. „Es gibt zwei heilige Grale in der Quantenchemie, die mit Quantencomputern erreicht werden könnten. Der erste ist die Entwicklung eines Katalysators für die Ammoniak-Synthese durch Simulation des aktiven Zentrums des Enzyms Nitrogenase, das dieses Problem in Pflanzen löst. Der zweite heilige Gral ist die Supraleitung bei Raumtemperatur.“

Zusätzlich zu seinem neuen Abenteuer in der Quantenchemie nutzt Miller seine Promotion, um neue Möglichkeiten der Hardware des Quantencomputers zu erforschen. Sein Fokus liegt auf Hole-Spin-Qubits in Silizium-Quantenpunkten im Rahmen des vom Schweizerischen Nationalfonds geförderten nationalen Kompetenzzentrums SPIN. „Die derzeit fortschrittlichsten Plattformen für das Quantencomputing sind supraleitende Qubits und gefangene Ionen. Spin-Qubits sind weniger ausgereift, haben aber potenzielle Vorteile und könnten daher aufholen und vielleicht sogar irgendwann die Führung übernehmen“, sagt Miller. Er merkt jedoch an, dass dies eine langfristige Vision ist, die nicht innerhalb des begrenzten Zeitrahmens seines eigenen Promotionsprojekts erreicht werden kann.

Dass er seine Doktorarbeit mitten in der Pandemie begonnen hat, war natürlich mit Herausforderungen verbunden. „Aufgrund des Lockdowns fehlt mir der tägliche Austausch mit meinen erfahreneren Kollegen. Durch das permanente Homeoffice ist meine Produktivität deutlich gesunken“, sagt Miller. Dennoch gibt er nicht auf: „Ich versuche, den Schaden zu begrenzen, indem ich die Zeit in der Isolation nutze, um an einer Publikation zum Thema meiner Masterarbeit weiterzuarbeiten. Und in diesem Frühjahrssemester versuche ich, alle Online-Kurse zu absolvieren, die Voraussetzung für meine Promotion sind. Das wird mir das Pendeln zur Universität Basel ersparen, wenn die Kurse wieder auf dem Campus stattfinden.“

Wenn er nicht gerade mit kniffligen mathematischen Rätseln beschäftigt ist, verbringt Miller seine Zeit damit, seine Leidenschaft für Musik zu stillen – vom Singen bis zum Klavier- oder Ukulelespielen. Miller ist glücklich, dass ihn sein Promotionsprojekt in die Schweiz gebracht hat: „Ich genieße wirklich, was dieses Land an Naturschönheiten zu bieten hat, die Weite und die Friedlichkeit der Alpen.“

Leonid Leiva Ariosa / IBM

Am 17. März 2021 wurde der Kulturhistoriker Prof. Alexandre Kostka von der Université de Strasbourg vom Senat des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) zum Honorarprofessur ernannt. Welche Verbindungen Karlsruhe und Strasbourg städtebaulich haben und welches Profil er der Honorarprofessur geben will, erzählt Kostka im Interview.

Prof. Alexandre Kostka, wie kam die Zusammenarbeit mit dem KIT zustande?
Kostka: Die Honorarprofessur ist eine Verstetigung meiner Zusammenarbeit mit dem Institut für Kunst- und Baugeschichte am KIT seit dem Jahr 2017. In der Lehre bieten wir für Studierende aus Karlsruhe und Strasbourg gemeinsame Seminare und Exkursionen an, vor allem im Rahmen des Erasmus Mundus Masterstudiengang „Euroculture“ der Université de Strasbourg. Darüber hinaus war ich im Wintersemester 2019/2020 bereits als DAAD-Gastprofessor am KIT. Die erfolgreiche Kooperation mündet nun in die Honorarprofessur – eine Form der Ehrung und Zusammenarbeit, die es übrigens in dieser Form in Frankreich nicht gibt.

Welchen Schwerpunkt möchten Sie am KIT nun setzen?
Kostka: Jedes Semester werde ich ein Seminar am KIT gestalten zu Themen, die vor allem das gemeinsame „künstlerische und technische Erbe“ des Oberrheins betreffen. Mein Schwerpunkt liegt dabei auf dem 19. bis 21. Jahrhundert. Anfangen möchte ich mit dem Architekten Fritz Beblo (1872-1947), der das Stadtbild von Strasbourg so entscheidend geprägt hat, dass ihn viele fälschlicherweise als „Stadtbaumeister“ bezeichnen. Damals gab es in Strasbourg selbst keine Architekturausbildung – in Karlsruhe hingegen schon. Beblo war einer von vielen in Karlsruhe ausgebildeten Architekten, die nach Strasbourg gingen. Die Neustadt war damals noch eine Baustelle. Ab 1890 gab es dort dann aber einen richtigen Bauboom mit großem städtebaulichem Einfluss aus Karlsruhe. Beblo war zu der Zeit Leiter des Hochbauamtes. Die Studierenden am KIT werden dabei mitarbeiten, eine Ausstellung zu Fritz Beblo zu konzipieren, die im Herbst 2022 in der Bibliothèque nationale et universitaire de Strasbourg zu sehen sein wird.

Sie betrachten also kulturgeschichtlich die deutsch-französischen Schnittstellen?
Kostka: Ja. Ich verstehe diese Professur nicht nur als Ehrung, sondern möchte in den folgenden Jahren auf das besondere, geteilte, deutsch-französische Erbe, das beide Seiten des Rheins verbindet, genauer eingehen. Es gibt noch viel zu tun für ein besseres Verständnis und daraus folgend auch einen besseren Umgang mit dem geteilten Erbe.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Geschichtswissenschaften und der Slawistik diskutieren gemeinsam mit Studierenden im „Eucor Research Seminar in Russian and East European History“ über aktuelle Projekte, Forschungstrends und Hintergründe gegenwärtiger politischer und gesellschaftlicher Entwicklungen. Vom 4. bis zum 19. Mai 2021 findet auch im aktuellen Semester die dreiteilige Veranstaltungsreihe statt.

„Im Bereich der osteuropäischen Geschichte gibt es zwischen Basel und Freiburg viele Schnittmengen. Die Forschenden und auch die Promovierenden sind trotz der Grenze im steten Austausch.“ so Dr. Boris Belge von der Universität Basel. „Die gemeinsamen Kolloquien sollen nun auch dazu dienen, den Austausch auf studentischer Ebene zu fördern.“

„Wir stellen ganz bewusst auch Themen mit sehr aktuellen Bezügen auf.“ ergänzt Dr. Michel Abeßer von der Universität Freiburg. „Um heutige Spannungen zu verstehen, beispielsweise in der Ukraine, Weißrussland oder in Bergkarabach, müssen wir uns die Wurzeln der Konflikte anschauen.“

Das Kolloquium wird von den Lehrstühlen für Neuere und Osteuropäische Geschichte und der Slavischen Philologie der Freiburger Universität sowie der Professuren für Osteuropäische Geschichte und Slavistik der Universität Basel ausgerichtet.

Programm und Anmeldung