Das Jahr 2022 startet ambitioniert und zukunftsweisend. Am 1. Januar übernimmt Frankreich den EU-Ratsvorsitz unter dem Motto „Relance, Puissance, Appartenance“ (Aufschwung, Kraft, Zugehörigkeit). Mitte Februar bringt die Kommission dann ihre europäische Hochschulstrategie auf den Weg. Diese macht deutlich, dass die großen Herausforderungen unserer Zeit – der Klimawandel, die Digitalisierung und die globale Gesundheitskrise, um nur einige zu nennen – nur gemeinsam bewältigt werden können. Die Hochschulen an der Schnittstelle von Bildung, Forschung und Innovation leisten hierbei einen wichtigen Beitrag auf dem Weg zu einer umweltfreundlicheren, inklusiveren und digitaleren Europäischen Union. Das Forum of the Universities for the Future of Europe, welchen am 25. und 26. Januar stattfand, verfolgte keine geringere Ambition, als gemeinsam mit den aktuell 41 Europäischen Hochschulallianzen sowie Eucor – The European Campus, der Universität der Großregion und anderen regionalen Universitätsverbünden, die Rolle der Hochschulen im Europa der Zukunft zu diskutieren sowie Ideen für die Hochschulen von morgen zu skizzieren.

Manuel Morgado, der im Rahmen des internationalen Doktorandenprogramms QUSTEC „Quantum Science and Technologies at the European Campus“ an der Universität Straßburg promoviert, sowie Franziska Schrön, Studentin im Doppelmaster Deutsch-Französisches Recht, reisten für Eucor nach Paris, um vor Ort als Berichterstatter das Forum zu begleiten. Wir hatten die Gelegenheit, im Anschluss mit den beiden zu sprechen.

Frau Schrön, Herr Morgado, Sie und dreizehn weitere Studierende und Promovierende aus ganz Europa sind für das Forum nach Paris gereist. Was genau war Ihre Aufgabe im Rahmen der Veranstaltung?

Manuel Morgado: Meine Aufgabe war es, als studentischer Berichterstatter an einem Workshop zum Thema „Gemeinsame Programme und Abschlüsse“ teilzunehmen.

Konnten Sie sich während des Forums mit Berichterstattern aus anderen Hochschulbündnissen austauschen?

Manuel Morgado: Ja, tatsächlich. Einer der spannendsten Aspekte der Veranstaltung war der Austausch mit den Teilnehmenden aus den anderen Verbünden. Ob Studierende oder PhD-Kandidaten, eine große Bandbreite an Personen aus unterschiedlichsten wissenschaftlichen Disziplinen, nicht nur aus den Naturwissenschaften (wie in meinem Fall), sondern auch aus diversen Bereichen der Humanwissenschaften waren vertreten.

Durch den Austausch über die spezifischen Herausforderungen der anderen Länder, Universitäten und sogar Kulturen, eröffneten sich uns völlig neue Sichtweisen.

Was sind Ihrer Meinung nach die großen europäischen Herausforderungen mit Blick auf die Universität von morgen?

Franziska Schrön: Die Universität von morgen muss eine nachhaltige Universität sein, welche dialogorientiert und im Dienste der Gesellschaft handelt. Ihre Aufgabe ist es, Individuen auszubilden, die in der Lage sind, auf die Herausforderungen unserer Zeit zu reagieren, wie z. B. den Klimawandel, die Bevölkerungsströme oder den zunehmenden Nationalismus. Letzteres stellt meiner Meinung nach die größte Bedrohung für die europäische Zusammenarbeit dar.

Manuel Morgado: Für mich besteht eine der größten Herausforderungen für Europa darin, Universitäten dabei zu unterstützen, sich auf gemeinsame Werte und Prinzipien sowie Respekt und Toleranz zu einigen. Eine ausgewogene Verteilung der finanziellen Mittel sowie der Abbau von bürokratischen Hürden könnte dabei helfen, die Mobilität und die Nutzung grenzüberschreitender Programme zu steigern. Nicht zuletzt ist eine Standardisierung der Hochschulabschlüsse und Programme sehr wichtig, sodass künftig Abschlüsse im gesamten europäischen Raum – und warum auch nicht weltweit – anerkannt werden.

Hat sich durch die Teilnahme am Forum Ihre Sicht auf die trinationale Oberrheinregion verändert?

Franziska Schrön: Durch meine Teilnahme am Forum und den Austausch mit Studierenden anderer Allianzen sind mir die konkreten Stärken und Vorteile unserer Oberrheinregion bewusst geworden: Andere Allianzen bestehen aus einer wesentlich größeren Anzahl von Partnern, manchmal bis zu 12 Universitäten. Dank der kulturellen und geographischen Nähe ist in der Oberrheinregion hingegen mehr Mobilität in kürzerer Zeit sowie ein “intensiverer” Austausch möglich. Denn obgleich die Schweiz kein EU-Mitgliedsstaat ist, ähneln sich die gesellschaftlichen und hochschulpolitischen Herausforderungen innerhalb des Verbunds.

Künftig würde ich mich gerne mehr bei Eucor und auch bei EPICUR einbringen, um meinen Beitrag zur Steigerung des Studierendenaustauschs und zur Sichtbarkeit der Projekte auf regionaler Ebene zu leisten.

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