Wasser fließt auf der Fassade.© NAVEBGO

Der grenzüberschreitende Oberrheinaquifer erfüllt sowohl für die Trinkwasserbereitstellung als auch für die Bewässerung wertvolle Ökosystemdienstleistungen, die es jetzt und für zukünftige Generationen zu schützen gilt. In einer aktuellen Untersuchung des Projektträgers in einem Stadtteil von Freiburg wurde ein deutlicher Grundwassereintrag von Bioziden und deren Transformationsprodukten aus Filmschutzmitteln für Bautenfarben und -putzen am Beipiel von Diuron, Terbutryn und Octhilinon nachgewiesen. Dieser erfolgte durch die Infiltration von kontaminiertem Abfluss in städtischen Versickerungsbauwerken.

Ähnliche Einträge sind in anderen Stadtgebieten im Bereich des Oberrheinaquifers wahrscheinlich. Für diesen Eintragspfad fehlt aber bislang eine umfassende Bestandsaufnahme oder Risikoabschätzung. Insbesondere ist nicht bekannt, an welchen Stellen der bedeutenste Grundwassereintrag stattfindet und ob es sinnvolle Alternativen zum Biozideinsatz auf Fassaden gibt, die von den relevanten Akteuren (von Heimwerkern über Malerfirmen bis hin zu politischen Entscheidungsträgern) auch wirklich angewendet werden.

Es besteht also dringender Kenntnis- und Handlungsbedarf, da Mikroverunreinigungen über Jahrzehnte im Grundwasser verweilen und sich an verschiedenen Stellen akkumulieren können.

NAVEBGO entwickelt eine Strategie, um die Kontamination des Oberrheinaquifers durch Biozide aus Siedlungsgebieten nachhaltig zu reduzieren. Dabei verfolgt das Projekt folgende Ziele:

1) Durch Geländebegehungen, Monitoring und hydrologische Modellierung möchte NAVEBGO den bestehenden Eintrag von Bioziden und deren Transformationsprodukten in Bezirken der Städte Landau, Freiburg und Strasbourg dokumentieren.

2) Über Labor- und Geländeexperimente möchte NAVEBGO die Prozesse beim Eintrag in das Grundwasser erforschen.

3) Über soziologische Akteursanalysen möchte NAVEBGO die betroffenen Akteursketten und deren Wahrnehmungen und Praktiken identifizieren.

4) Schließlich möchte NAVEBGO technische Maßnahmen zur Eintragsreduzierung und Alternativen zum Biozideinsatz im Fassadenschutz überprüfen und unter zutreffenden Akteuren verbreiten.

Die Strategie wird für drei unterschiedlich große Städte (Strasbourg, Freiburg, Landau) entwickelt, ist aber allgemein verfügbar und auf alle Siedlungsflächen im Oberrhein anwendbar.

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