© Julien Masson

In Europa werden Islamwissenschaften bzw. Islamologie je nach Land und nationaler Tradition durch unterschiedliche akademische Dynamiken gekennzeichnet. In diesem Kontext weist das Zusammenspiel zwischen Islamwissenschaft bzw. Islamologie und Turkologie, zwei zugleich autonomen und doch miteinander verbundenen Disziplinen, interessante Unterschiede auf. Beide sind am Oberrhein innerhalb der Eucor-Universitäten – insbesondere in Straßburg und Freiburg – gut vertreten. Dennoch lassen sich Unterschiede zwischen Deutschland und Frankreich in der Funktionsweise der beiden Fachgebiete feststellen, mit dem ehemaligen Elsass-Lothringen als Sonderfall. Während die Islamwissenschaft in Deutschland oft interdisziplinär ist und sowohl Überschneidungen mit der Turkologie als auch den persischen und arabischen Studien aufweist, ist die Islamologie in Frankreich eine Disziplin, die fast ausschließlich mit der Erforschung der arabischen Welt verbunden ist. Wohingegen die Turkologie stark von einer säkularen Sichtweise geprägt ist. Auch wenn die Islamische Theologie an verschiedenen deutschen Universitäten offiziell als Disziplin eingerichtet wurde, wird in Frankreich der Stellenwert der Theologie – insbesondere der islamischen – als Universitätsdisziplin immer noch kontrovers diskutiert. Das DIslaTurk-Projekt ist insofern innovativ für die Wissenschaftsgeschichte, als es vorschlägt, die Entstehung und Entwicklung der Islamwissenschaft und Turkologie, zwei aus der Orientalistik des 19. Jahrhunderts hervorgegangene akademische Fachbereiche, in Frankreich und Deutschland zu analysieren. Das Projekt steht unter der Leitung der Universität Freiburg und wird in Kooperation mit der Universität Straßburg realisiert. Eucor – The European Campus unterstützt das Konsortium mit dem Seed Money-Förderinstrument in der Förderlinie „Forschung und Innovation“.

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