Vor 20 Jahren gründeten vier der in Eucor – The European Campus zusammengeschlossenen Universitäten das Collegium Beatus Rhenanus.

Das Collegium Beatus Rhenanus, kurz CBR, vereint als Lehr- und Forschungsverbund die Altertumswissenschaften der Universitäten von Eucor – The European Campus. Am 30. November 2018 übernahm Prof. Dr. Astrid Möller (Seminar für Alte Geschichte Freiburg) für zwei Jahre die Präsidentschaft. Wir haben mit ihr über das Collegium und dessen Projekte gesprochen.

Frau Möller, wo liegt der besondere Reiz, in den Altertumswissenschaften am Oberrhein zusammenzuarbeiten?
Astrid Möller: In den Altertumswissenschaften zusammenzuarbeiten bietet sich am Oberrhein durch die unmittelbare Nachbarschaft von vier Universitäten an. Die Altertumswissenschaften sind interdisziplinär definiert, indem sie philologische, historische und archäologische Methoden verbinden. Gemeinsam verfügen wir über eine größere Bandbreite an Fächern. Die Alte Geschichte gibt es an allen vier Universitäten, die sich vor 20 Jahren zum CBR zusammengeschlossen haben – also in Basel, Freiburg, Haute-Alsace und Strasbourg. Jedoch gibt es Fächer, die nicht an allen Universitäten vertreten sind, wie zum Beispiel die Vorderasiatische Archäologie oder die Ägyptologie. Zum CBR gehören die Klassischen Philologien, die Alte Geschichte und die archäologischen Wissenschaften, die sich nach Zeit- und Kulturraum auseinanderdividiert haben. Ich komme aus der Alten Geschichte, aber ohne die Zusammenarbeit mit Philologien und Archäologien insbesondere anderer Wissenschaftstraditionen, wie sie hier im Dreiländereck vertreten sind, lassen sich viele Fragen nicht klären.

Wie kommt es, dass hier am Oberrhein diese große Bandbreite zu finden ist?
Ich glaube, es liegt daran, dass hier alte Universitäten mitwirken, an denen die Klassische Philologie, die Alte Geschichte und die Klassische sowie die Provinzialrömische Archäologie traditionsreich gepflegt werden. Davon abgesehen ist Interdisziplinarität für kleine Fächer ein Gebot, da sie sonst isoliert bleiben. Daher der offene Ansatz des CBR: Alle Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die sich für die Antike interessieren, sind willkommen. An allen beteiligten Universitäten besteht eine kritische Masse von Interessierten, die bereit sind, sich einzusetzen und zu diskutieren. Das CBR kann als lebendige Institution nur durch die Aktivität Einzelner getragen werden.

Das CBR ist nicht nur ein Forschungs-, sondern auch ein Lehrverbund. Was bieten Sie für Studierende?
Wir haben gemeinsam 2006 den Trinationalen Master in Altertumswissenschaften eingerichtet, er gehört zu den ältesten Masterstudiengängen in Freiburg. Und es war ein ziemlicher Kraftakt, drei verschiedene Universitätssysteme in einem Studiengang zu vereinen. Jeder erhält den Abschluss der Heimatuniversität und hat Pflichtveranstaltungen an den Partneruniversitäten. Die Anforderungen sind recht hoch, da wir nicht nur die Alten Sprachen, sondern auch eine gute deutsch-französische Zweisprachigkeit voraussetzen. Wir haben daher immer wieder luxemburgische Studierende. Neben dem Masterstudiengang integrieren wir den Nachwuchs aber auch in unsere Forschungsprojekte. Demnächst möchten wir im Rahmen unseres neuen Projektes eine Winter School für Masterstudierende und Doktorandinnen und Doktoranden aus der Region anbieten.

Was sind aktuelle Projekte des CBR?
Gerade in der Archäologie bezieht sich die Forschung immer wieder auf die Region hier am Oberrhein. In einem Projekt der Mittelalterarchäologie werden die Funde aus einem Gräberfeld im elsässischen Niedernai aus dem 5. Jahrhundert bearbeitet. Im Sommer haben wir ein neues CBR-Projekt beschlossen, dass sich dem Thema „Weltbilder – Konzepte von Raum und Zeit“ widmen wird. Alle Menschen orientieren sich in Raum und Zeit. Zumindest auf der Nordhalbkugel sehen sie alle denselben Himmel, aber die Konzepte, die daran geknüpft werden, sind wiederum kulturspezifisch. Auch wenn es um das Messen von Zeit geht, finden Menschen kulturspezifische Lösungen. Wir möchten diese für die verschiedenen Kulturräume ausloten: Wie unterscheiden sich die Konzepte und wo gibt es Ähnlichkeiten? Wie eng sind die Konzepte von Raum und Zeit verknüpft? Dieses Projekt habe ich als Schwerpunkt meiner Präsidentschaft angestoßen. Es ist interdisziplinär angelegt, aber wir versuchen zusätzlich, einen transdisziplinären Ansatz zu schaffen, indem wir die interdisziplinären Fragestellungen methodisch reflektieren und uns dem allgemeinen Aspekt des Zusammenspiels von Theorie und Erfahrung widmen.

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