Eucor – The European Campus arbeitet in verschiedenen Schwerpunktbereichen verstärkt zusammen. Einer davon ist der Schwerpunkt Personalised Health – Precision Medicine. Christophe Schneble ist Projektmanager Personalised Health an der Universität Basel und Ansprechpartner für den Eucor-Schwerpunkt.

Herr Schneble, was bedeutet Personalised Health?
Schneble: Die personalisierte Medizin umfasst diagnostische, präventive und therapeutische Maßnahmen, die auf ein Individuum optimal zugeschnitten sind, möglichst optimal wirken und geringstmögliche Nebenwirkungen für jeden individuellen Patienten haben. Im Fokus stehen aber nicht nur Patientinnen und Patienten, sondern auch gesunde Personen und somit auch der Aspekt der Prävention. „Gesundheitsdaten“ spielen in der personalisierten Medizin eine wichtige Rolle und reichen von herkömmlichen Untersuchungsdaten (z.B. Blutdruck, Laborwerte, Elektrokardiogramm, Röntgenaufnahmen), über Angaben zum gesundheitlichen Befinden bis zu Sensordaten und Daten aus dem Lebensumfeld (z.B. Luft- und Wasserqualität, Passivrauch, Exposition gegenüber Noxen).

Was ist der Vorteil in diesem Bereich grenzüberschreitend zusammenzuarbeiten?
Die heutigen Herausforderungen bedürfen vermehrter Kooperation. Die Covid-Pandemie hat es deutlich gezeigt: Wenn wir schnell handeln wollen, wenn wir Kapazitäten ausnutzen und Ressourcen optimieren wollen, ist die Zusammenarbeit zwischen den Ländern in der Medizin extrem wichtig. Und sie wird es immer mehr, wenn wir die Demographie berücksichtigen und den damit verbundenen steigenden Pflegeaufwand. Die Pandemie hat auch gezeigt, dass internationale Zusammenarbeit in der Forschung schnell und schlagfertig reagieren kann. Am Oberrhein haben wir im Gesundheitsbereich ein einmaliges Ökosystem: Die Life Sciences sind an den Eucor-Universitäten durchweg sehr stark, wir haben drei Universitätsspitäler und vielfach bestehende Forschungskooperationen wie beispielsweise die Upper Rhine Immunology group, die oftmals bottom-up also von den Forschenden initiiert werden. Zudem steht mit dem Eucor-Seed-Money ein gutes Instrument zu Verfügung um solche grenzüberschreitenden Kooperationen auch aktiv zu fördern.

Sie sind seit Mai Ansprechpartner für den Schwerpunktbereich. Was sind die ersten Vorhaben?
Ich arbeite aktuell intensiv an einem Projekt mit dem Namen „Clinnova“, das eine ursprünglich luxemburgische Initiative ist. Darin geht es um eine europäische „Health Data Cloud“. Im Bereich der Gesundheitsdaten lancieren auch große internationale Player wie beispielsweise Google verschiedene Initiativen. Im europäischen Umfeld haben wir aber ethisch und rechtlich andere Voraussetzungen als in den USA. Es braucht also eine europäische Lösung, die den Fokus auf gute ethische Standards bei der Datenverarbeitung setzt. Im konkreten Fall geht es neben Forschungsdaten auch um Patientendaten, die aus der Klink in die Forschung gehen. Die Forschenden analysieren diese, auch mittels künstlicher Intelligenz und bringen dann die Erkenntnisse schnell wieder in die Klinik und an den Patienten. Medikamente, Therapien oder Alltagshilfen sollen somit schnell und bestmöglich auf den Patienten zugeschnitten den Kliniken zur Verfügung stehen. Am Projekt sind die deutschen und französischen Eucor-Universitäten bereits über die Region Grand Est und Baden-Württemberg beteiligt, eine Basler Beteiligung soll bald folgen.

Zur Person:
Christophe Olivier Schneble hat zu rechtlichen und ethischen Herausforderung im Umgang mit Big Data doktoriert. Vor seinem Doktorat hat er lange als Software-Entwickler im Gesundheitssektor gearbeitet und war Geschäftsführer des Department Erdwissenschaften der ETH-Zürich wo er auch Mitglied der Strategiekommission war. Seit dem 1. Mai 2021 ist er Projektmanager Personalised Health an der Universität Basel und betreut den Eucor-Schwerpunkt. Als französisch-deutscher Muttersprachler liegt ihm die Zusammenarbeit im Oberrheingebiet sehr am Herzen.

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