VitiSense
Die Oberrhein-Region ist die Heimat einiger der renommiertesten Weinberge Europas, doch dieses Weinerbe ist durch Rebholz-Krankheiten bedroht. Pilze zerstören die Rebstöcke langsam von innen, oft ohne erkennbare Symptome über Jahre hinweg. Wenn die Anzeichen am Holz oder an den Blättern sichtbar werden, ist es oft schon zu spät: Die Erträge sinken, die Rebstöcke sterben ab und ganze Parzellen müssen gerodet und neu bepflanzt werden. Heute basiert die Erkennung hauptsächlich auf der visuellen Beobachtung von verfärbten Blättern und abgestorbenen Stämmen. Diese einfache und kostengünstige Methode hat jedoch ihre Grenzen: Die Symptome ähneln denen, die durch andere Stressfaktoren wie Trockenheit oder Nährstoffmangel verursacht werden, und spiegeln nicht immer den inneren Zustand des Holzes wider. Interventionen erfolgen daher zu spät und sind weniger wirksam. Im Labor gibt es zwar modernste Detektionsverfahren, diese sind jedoch für den täglichen Gebrauch zu kostspielig und zu komplex.
Als Reaktion darauf entwickelt das Projekt VitiSense zwei innovative und praktische Instrumente für den Weinbau: einen tragbaren optischen Sensor, der die Photosyntheseaktivität und die Fluoreszenz der Blätter misst, um unsichtbaren Befall frühzeitig zu erkennen, und ein tragbares MRT-Gerät, das aus dem medizinischen Bereich angepasst wurde und imstande ist, das Innere des Rebstocks sichtbar zu machen und nekrotische Bereiche zu lokalisieren.
Diese Geräte können einzeln oder verbunden mit einem Netzwerk aus Sensoren eingesetzt werden, um eine kontinuierliche Überwachung und gezielte Maßnahmen zu ermöglichen und so Verluste und Kosten zu reduzieren. Die Elektronik dieser Instrumente wird eingekapselt, um sie wetterfest zu machen.
Das Projekt vereint ein grenzüberschreitendes und multidisziplinäres Konsortium: Forschende aus den Bereichen Weinbau und Rebkrankheiten der Université de Haute-Alsace und des Julius-Kühn-Instituts, Spezialisten für Optik und MRT der Université de Strasbourg und der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW), Experten für Gerätedesign und -kapselung der Hochschule Furtwangen sowie Partner aus der Industrie. Gemeinsam entwickeln sie Prototypen, testen diese im Labor und anschließend in den Weinbergen und machen sie widerstandsfähig gegen die Bedingungen vor Ort.