Personalaustausch zwischen der Université de Haute-Alsace und Freiburg

Rund 15 Personen aus Deutschland und Frankreich nahmen am Personalaustausch teil

Energieeinsparung und Effizienz - Themen, die Universitäten Freiburg und Haute-Alsace beschäftigen

Prof. Speck führt die Gruppe durch den Botanischen Garten

Mon français est très rouillé (Mein Französisch ist sehr eingerostet)“, begrüßt Prof. Thomas Speck, Direktor des Botanischen Gartens, die französischen Kolleginnen und Kollegen der Université de Haute-Alsace (Mulhouse/Colmar) und setzt auf fließendem Französischen die Einführung fort. Von französischer Seite haben sich Mitarbeitende aus dem Energie- und Gebäudemanagement sowie aus dem Bereich Internationale Beziehungen für den eintägigen Personalaustausch angemeldet.

Bionische Innovationen – Energieoptimierung von der Natur inspiriert

Bionische Verschattung des Gewächshauses

Unter einem strahlend blauen Winterhimmel besichtigt die Gruppe aus rund 15 Personen unter der fachkundigen Anleitung von Prof. Speck den Freiburger Botanischen Garten. Der hohe Bedarf an Energie und Wasser ist eine große Herausforderung für alle Botanischen Gärten. Durch eine energieoptimierte Doppelverglasung konnte der CO2-Ausschuss des Schaugewächshauses drastisch reduziert werden. Speck spricht von einem um 85% verbesserten Energiebugdet. Der Direktor des Freiburger Gartens, der zugleich Professor für Funktionelle Morphologie und Bionik ist, erklärt, wie er und sein Team sich von der Natur inspirieren, um technische Lösungen für eine höhere Energieeffizienz zu entwickeln.

Paradiesvogelblume

Bionische Technologien zur Verschattung der gläsernen Gebäude erhöhen jedoch nicht nur die Energieeffizienz, sondern führen auch zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen von Mitarbeitenden. Aktuell werden zwei bionische Innovationen für die Verschattung genutzt, eine davon inspiriert durch eine Unterwasserpflanze und die andere von der Paradiesvogelblume. Die bionische Verschattung sorgt dafür, dass bei starker Sonneneinstrahlung keine Klimaanlage nötig ist. Speck erklärt weiter, dass der Botanische Garten mit Psychologinnen und Psychologen zusammenarbeitet, um die Auswirkungen der bionischen Innovation auf das Wohlbefinden der Mitarbeitenden zu untersuchen.

Nach dem Schaugewächshaus setzt die Gruppe ihre Besichtigung beim livMatS Pavillon fort, ein aus Naturwerkstoffen und modernsten digitalen Technologien geschaffener Pavillon, der im Rahmen einer Kooperation zwischen zwei Exzellenzclustern der Universitäten Freiburg und Stuttgart entstanden ist. Vom Kakteenholz inspiriert und mit nachwachsenden Flachsfasern gebaut, wiegt der Veranstaltungsort weniger als 1,5 Tonnen und somit weniger als ein SUV. Seine Leichtbauweise ist wegweisend für Projekte im Bereich der städtischen Verdichtung. Oftmals können keinen weiteren Geschosse auf bestehendes Fundament gebaut werden, da die Statik keine Massivbaubauweise ermöglicht.

livMatS Pavillon

Die Personalmobilität steht im Fokus der Eucor-Strategie 2030

Um die vielen Informationen zu verdauen, kehrt die Gruppe mittags gemeinsam in der Universitätsmensa ein. Zurück aus der Mittagspause nahm Katharina Aly, die Leiterin des International Office, die französischen Gäste im Rektorat der Universität Freiburg in Empfang. Sie begrüßt, dass zwischen den Eucor-Universitäten neben dem wissenschaftlichen Austausch auch der standortübergreifende fachliche Austausch stattfindet: „Der Austausch von Personal steht im Fokus der neuen Eucor-Strategie 2030“, so Aly.  

Beim anschließenden inhaltlichen Austausch zum Flächenmanagement, Energieeinkauf, Energieeffizienz und Wärmeerzeugnis stellen die Leitungen der jeweils zuständigen Abteilungen ihre Bilanzen und Maßnahmen zur Einsparung der letzten Jahre vor. 2014 war die Université de Haute-Alsace die erste ISO 50 001 zertifizierte Universität in Frankreich. Dies bedeutet, dass die Universität ein nachhaltiges Energiemanagement institutionalisiert hat und sich alle drei Jahre einer Überprüfung unterzieht, die die Bemühungen für mehr Energieeffizienz auf den Prüfstand stellt. Anne Mangano, Leiterin der Direction de la Gestion du Patrimoine Immobilier an der UHA, unterstreicht, dass es dabei nicht allein um bauliche Maßnahmen geht, sondern sehr viel auch um Sensibilisierung der Mitarbeitenden. Dies macht sie an einer Anekdote deutlich: „Wir erleben regelmäßig zu Semesterbeginn im Spätsommer, dass die Temperaturen temporär einbrechen, die Mitarbeitenden aber noch in sommerlicher Kleidung zur Arbeit kommen und frieren. Vor rund 10 Jahren haben uns zahlreiche Beschwerden der Mitarbeitenden erreicht, die darum gebeten haben, die Heizung anzustellen. Nach Rücksprache mit der Präsidentin der UHA haben wir allen Mitarbeitenden eine Mail geschickt und sie darüber informiert, dass die Heizkosten für eine Woche dem Jahresgehalt eines Verwaltungsmitarbeitenden der Kategorie C entsprechen. Wir haben an die Mitarbeitenden appelliert, lieber einen warmen Pullover anzuziehen und dafür möglicherweise einen neuen Kollegen einstellen zu können.“ Die ausgebliebenen Beschwerden sprachen für den Erfolg dieser kommunikativen Maßnahme.

An der Université de Haute-Alsace gibt es für jeden Fachbereich eine Referentin oder einen Referenten für Nachhaltigkeit. Kamal Mouheb ist Referent am Learning Center der UHA und erklärt: „Wir haben regelmäßig Fortbildungen zu Nachhaltigkeitsthemen. Jeder Referent ist dazu angehalten, sein Team zu sensibilisieren und aufzuklären. Der Tag heute war sehr inspirierend. Ich werde einiges davon mitnehmen und an meine Mitarbeitenden weitergeben. Ich nehme insbesondere die Idee gemischter Arbeitsgruppen aus Mitarbeitenden und Studierenden mit. Diese haben den Vorteil, dass Studierende sich aktiv in die nachhaltige Entwicklung der Universität einbringen können und dafür entlohnt werden.“

Vom James Bond Tunnel auf den Weihnachtsmarkt

Als Abschluss des inhaltlichen Teils besichtigte die Gruppe den James Bond-Tunnel der Universität Freiburg, einen unterirdischen Infrastrukturtunnel. Gemeinsam ließen die Teilnehmenden den Tag auf dem Freiburger Weihnachtsmarkt ausklingen.

Personalmobilität mit Eucor

Eucor – The European Campus unterstützt den grenzüberschreitenden Personalaustausch zwischen seinen Mitgliedsuniversitäten. Egal ob individuell oder in einer Gruppe, Mitarbeitende der fünf Universitäten können für einen Tag oder bis zu einer Woche den Arbeitsalltag im Nachbarland entdecken. Bei Interesse können Sie mit den untenstehenden Ansprechpersonen Kontakt aufnehmen, um Ihre Personalmobilität an eine Eucor-Mitgliedsuniversität zu planen:

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